Das Online-Magazin zur Zeitschrift | HALBJAHRESMAGAZIN polar






polar #22: Zukunft der Öffentlichkeit




EDITORIAL

 
Liebe Leserin, lieber Leser


BEGEGNUNG

 
Sabine Meier
Third Places
Öffentliche Räume als Begegnungsorte mit dem Unbekannten
 
Ole Meinefeld
Geteilte Erfahrung
Für eine Politik des öffentlichen Raums
 
Heinz Bude
Begegnung und Berührung
Was für eine Gesellschaft wäre eine »inklusive Gesellschaft«?
 
Carlos Becker
Kommunikative Autonomie
Zum demokratischen Wert der Privatheit
 
Darin Barney
Partizipatorische Verhältnisse
Verkehrung eines demokratischen Versprechens?
 
Thomas Krüger
Wen erreicht politische Bildung?
Von Interessierten, Schüler/innen, Bildungsbenachteiligten und Demokratieverdrossenen
 
Christoph Raiser
Andere Geschichten
Zur Erneuerung einer europäischen Öffentlichkeit
 
Moritz Hien
Bierdosen für die Freiheit
Öffentliches Forum und private Märkte
 
 

Susann Neuenfeldt / Simon Strick

>DEMOCRACY<

Leonard Cohen – David Bowie – Prince – Phife Dawg


Wer ist die Leich im Leichenwagen / Um wen hört man viel Schrein und Klagen / Der Zeit den schwindenden Puls fühlen / Als tränenlose Trauerrede / Geschrieben bei Dunkelheit / Im Irrtum dass die Toten tot sind

PASTOR
Wir haben uns versammelt, um die westliche Demokratie zu beweinen, DEMOCRACY. Die Weltkriegsverliererbesiegerin, La CapitaineAmerica, Meisterin der Herzen, und Gewinnerin des Fair Play Awards. Wir haben sie begehrt, wenn sie auch geliehen war. Schön war sie, als sie nach dem Krieg in die BRD geliefert wurde. Sie versprach uns das gute Leben, die richtige Seite, die bessere Lebens- und Denkform. Sie versprach, dass alles besser würde, für alle, durch den gemeinsamen Willen. Durch ihn würde sie triumphieren. TRiUMPh. LOVE IS NOT A VICTORY MARCH.

Es wäre in ihrem Sinne gewesen, dass wir gemeinsam trauern und nicht von oben herab reden, sondern viele Stimmen ihr Andenken sprechen lassen.

TRAUERGAST 1
Bitte verzeihen Sie meine Kälte angesichts des Ablebens von DEMOCRACY. Sie hatte ein Recht auf die Abschaltung ihrer Geräte, ein Recht auf die Verweigerung lebensverlängernder Maßnahmen. DEMOCRACY kam zu Ihnen als vitalisierendes Brudergeschenk im großen Umerziehungsplan nach dem Krieg, aber sie selbst lag schon länger im Koma. Sie hatte das Recht, selbstbestimmt von Ihnen zu gehen. ASHES TO ASHES.

Ich verstehe sehr gut, dass Sie sich nun alleine fühlen - wie ein Kind, das in der Nacht erwacht und niemand ist da, es zu trösten. Ihr Herz ist voller Angst, und Sie beschwören die alten Formeln Ihres ideologischen Besetzers, die auswendig gelernten Verse des Kalten Kriegs, die wohlklingende Sprache der Toleranz. HIS NAME IS TRUMP AND HE AIN'T FUNKY.

Ja, Ihre politischen Reflexe reichen bis ins Universum, aber verlieren Sie nicht den Kontakt mit der Erde, wo die Toten ruhelos wachen. GROUND CONTROL TO MAJOR TOM. Der Tod des Sozialismus war für jedermann und frau einsehbar, ein Spektakel. DEMOCRACY ging schleichend von Ihnen. Aber jede Ideologie hat ein Recht zu sterben.

TRAUERGAST 2
Liebe Gäste, vergessen wir auch nicht, DEMOCRACY war nicht rein. Gedenken wir auch ihrer reaktionären Ränder, den Mikrofaschismen ihrer Strukturen, und jenen, die die Rechnung ihrer Freiheiten bezahlten. DEMOCRACY war in ihren letzten Tagen auch eine Parallelgesellschaft. Nach ihrem Abgang, Unbehagen, und die Fragmente stehen unvereint. Ihre Einheit in Vielheit amputiert, ging sie von uns. So viele kommen auch nicht zur Beerdigung, wie ich sehe.

TRAUERGAST 3
Ein neues Zeitalter beginnt, ein neuer Code, den Sie lesen lernen müssen. Wie der Übergang vom Text- zum Bildertheater. Jetzt werden Ihre dramaturgischen Fähigkeiten nicht mehr gebraucht. Die Regie regiert ohne das verstaubte Textbuch WE THE PEOPLE. Sie werden das verstehen, so wie ich damals, als DEMOCRACY als Maß aller Dinge seine Ostpremiere feierte. Als sie diejenigen beschämte, die ihr Einmaleins nicht mit der Muttermilch aufgesogen hatten. Jene, die im Schwindel waren, weil alles so schnell ging.

Sie und mich vereint das Stockholm Syndrom, die aufrichtige Liebe zum Besetzer. Nun sind auch Sie mutterseelenallein mit Ihrem Unterpfand des Glückes, mit ihrer Utopie. Verstehen Sie mich nicht falsch, was Sie brauchen ist nicht Diktaturerfahrung. Was Sie brauchen ist nicht Demut vor den Verlierern von DEMOCRACY. Was Sie brauchen ist eine neue politische Haltung, eine neue Motorik der Kritik. ITS IN THE WHITE OF MY EYES.

TRAUERGAST 4
In ihren Medien habe ich DEMOCRACY schon gesichtet, als einen Geist: Twitter zeigt, wie ein weißer Nazi-Mann (geschniegelt) von einem weißen Demokraten-Mann (vermummt) aufs Maul bekommt, im Rhythmus von Rap-Musik. Der freie Geist des Demokraten, als Faust, haut das Böse aus dem Kamerabild. Aufs Maul den Faschisten. LET'S DANCE. [...]



BLASE

 
Volker Gerhardt
Zu nah am Feuer
Das unvergleichlich Neue der digitalen Technik und ihre gerade darin unterschätzte Gefahr. Eine Überlegung in 8 Punkten.
 
Jan-Hinrik Schmidt
Filterblasen und Echokammern
Das Gefüge digitaler Kommunikation
 
Boris Fust
Personalisierte Ausspielungen
Alter Wein in neuen digitalen Schläuchen?
 
Joachim von Gottberg
Öffentliche Selbstbindungen
Das Prinzip der medialen Selbstkontrolle
 
Theresa Züger
Die Wahrheit und ihre neuen Kleider
Whistleblowing als Ausdruck gesellschaftlicher Wahrheitssuche
 
Arnd Pollmann
Ist es links? >Postfaktizität<
Authentischer Bullshit
 
Thomas Hoffmann
Ist es links? >Postfaktizität<
We’re all living in America
 
Christian Neuhäuser
Ist es links? >Postfaktizität<
Gefährliche Post-Phänomene
 
Sarah Tietz
Ist es links? >Postfaktizität<
Alles sinnlos
 
Christian Neuner-Duttenhofer
Haters gonna hate
Was tun gegen den Hass im Netz?
 
Jennifer Vogelsang
Versammlungsfreiheit 2.0
Vom Schutz der Zusammenkünfte im virtuellen Raum



MEIN HALBES JAHR

 
Johannes von Weizsäcker
Mein halbes Jahr: >Musik<
Jackie Lynn – The Fall
 
Elias Kreuzmair
Mein halbes Jahr: >Literatur<
Selbst – Die Toten – Die Literatur und das Recht auf den Tod
 
Peter Siller
Mein halbes Jahr: >Comic<
Deadly Class – Die Favoritin – Drei Steine – Ein diabolischer Sommer u.a.
 
Matthias Dell
Mein halbes Jahr: >Film<
Tatort: Freitod, Land in dieser Zeit – Vier gegen die Bank – Arrival



BARRIERE

 
Ludger Schwarte
Irgendjemand entscheidet
Für eine neue Theorie demokratischer Öffentlichkeit
 
Maximilian Burk
Schreiben zum Tode
Authentizität und Text in Herrndorfs ''Arbeit und Struktur''
 
Verena Hepperle
Das wiederum.
Zum Selbstverständnis politisch engagierter Gegenwartsliterat/innen
 
Fiona Geuß
End Your Silence
Öffentlichkeitsverständnisse in der Kunst nach 1968
 
Ina Kerner
Leben im Kapitalismus: >offline/online<
 
Martin Saar
Leben im Kapitalismus: >Öffentliches Sprechen<



SCHÖNHEITEN

 
Birthe Mühlhoff
Ausgestellte Intimität
Party der digitalen Öffentlichkeit: Amalia Ulmans Instagram
 
Heiko Schulz
Declare, or shut the fuck up
Kollektivbewusstsein aus dem Schlamm: David Milchs Deadwood
 
Anna-Catharina Gebbers
Lesehallen-Bewegung
Gegen die Schließung: Die Initiative A Public Library
 
Robin Celikates
Mehr als Kritik
Aufruf zur Gegenpraxis: Öffentlichkeit und Erfahrung von Oskar Negt und Alexander Kluge
 
Simone Jung
In-Beziehung-Setzen
Virtuelles Kollektiv: Die Verfilmung von Ferdinand von Schierachs Terror
 
Ann-Charlotte Günzel
Auf der Straße
Verklärung und Wahrheit: Judith Butlers Theorie der Versammlung
 
Franziska Humphreys
Eine halbe Ewigkeit
Platzbesetzungen und Versammlungen: Über neue Formen des öffentlichen Protests
 
Ulrike Meyer
Ohne Worte
Den Menschen sehen: ''Über den Unterschied der Gesichtszüge im Menschen'' im Berliner Schadow-Haus
 
Anna Sailer
Wir waren schon weiter
Öffentlicher Auftrag: Dominik Grafs ''Es werde Stadt'' und ''Keimena'' der documenta 14
 
Bertram Lomfeld
Diskursive Utopie
Lass uns chatten: ''Strukturwandel der Öffentlichkeit''


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