Das Online-Magazin zur Zeitschrift | HALBJAHRESMAGAZIN polar






polar #11: Sicherheit




EDITORIAL

 
Peter Siller, Bertram Keller
Editorial



SORGE

 
Herfried Münkler
Sicherheit und Freiheit
Eine falsche Gegenüberstellung
 
Thomas Biebricher/Frieder Vogelmann
Die Ich-GmbH
Alternativen zum stahlharten Gehäuse der Verantwortung
 
John T. Hamilton
Kinder der Sorge
Ein Mythos über die Sicherheit
 
Achim Vesper
Zuviel des Guten
Sicherheit als Aufgabe des Staates nach Hobbes
 
Dirk Setton
It’s out there…
Pathologie der Sicherheit und Poetik der Überempfindlichkeit in Todd Haynes’ Safe
 
Berthold Vogel
Soziale Sicherheit
Ein unstillbares Bedürfnis
 
Peter Siller/Judith Karcher/Stefan Huster/Arnd Pollmann
Ist es links?: >Grundeinkommen<
 
Ulrich Bröckling
Aktivistischer Negativismus
Sicherheit und Gesundheit im Zeichen des Precautionary Principle
 
Interview Christiane Rösinger
»Love is dead«



STRESS

 
Christian Neuhäuser
Der Turm
Taiwan, der 101 Tower und China – ein nicht ganz risikofreies Beziehungsgeflecht
 
 

Charlotte Misselwitz

Israelische Sicherheiten

Wann werden Sicherheitssysteme autoaggressiv?


»Schalom! For security reasons I have to ask you: What was the purpose of your stay in Israel?« Auf die Antwort »journalistische Recherche« läuft die Soldatin am Flughafen Ben Gurion mit dem Ausweis davon. Diesmal keine Frage nach dem Thema. Auch nicht, ob die Aufnahmen abgespielt werden können. Es geht zur Gepäckkontrolle. Von dort geleitet eine ebenfalls blau Uniformierte mit schwarzen langen Haaren direkt zum Body Check. Am anderen Ende der Flughafenhalle dauert es 15 Minuten bis eine der acht Kabinen frei wird. Körperkontrolle 20 Minuten. Aber die X-ray-Analyse der Stiefel dauert. Immer wieder sitzen und warten.

Nach anderthalb Stunden blinkt am Gate unter der Anzeige »Berlin« das Boarding- Lämpchen rot. Stewardessen scheuchen ins Flugzeug. Die gebuchte Reihe hinten ist fast leer. Nur eine Frau sitzt dort: »Bei mir hat es fast zwei Stunden gedauert. Ich war früher da.« Eine weitere junge Frau setzt sich dazu. »Die Security konnte sich nicht entscheiden, ob der Leuchtgummiball, ein Kindergeschenk, gefährlich ist oder nicht.«

Das Flugzeug gerät ins Rollen. Wir sitzen, drei deutsche Staatsbürgerinnen, nebeneinander. Unser Sicherheitscheck dauerte länger als der der palästinensischen Passagiere. Wir sortieren uns: Weiblich, weiß, gebildet, allein reisend, verheiratet sowie unverheiratet, kinderlos, zwischen 20 und 35, kosmopolitisch oder global und professionell unterwegs auf die eine oder andere Weise und zumindest was die beiden angeht: sehr hübsch. Und wir sind: das Sicherheitsrisiko Nummer Eins?

Israel ist nicht nur geografischer Dreh- und Angelpunkt zwischen dem reichen Norden und dem armen Süden. Der Konflikt des Landes mit der palästinensischen Bevölkerung vor Ort schreibt seit seiner Gründung 1948 eine lange Sicherheitsgeschichte. Terroristische Angriffe in Bussen oder Flugzeugen während der ersten Intifada Ende der 1980er Jahre oder während der zweiten Intifada 2000 bis 2005 führten zu den Vorbeugemaßnahmen, die heute ein jeder und eine jede Reisende durchläuft. Und die vielseitigen Kontrolldimensionen, angefangen bei Body Check, Gepäckkontrolle, Befragungen, die vom Geheimdienst aufgestellt werden, aber auch Checkpoints oder die Grenzübergänge an der Mauer auf palästinensischem Territorium, wurden erst kürzlich durch eine Kunstaktion vorgeführt. Der palästinensische Künstler Khaled Hourani initiierte die Ausleihe eines Picasso-Gemäldes aus dem Eindhovener Van Abbe Museum in eine Galerie in Ramallah. Insgesamt hat die Organisation zwei Jahre gebraucht. Die Sicherheitskontrollen dauerten mehrere Tage. Momentan gibt es weltweit kaum ein ausgefeilteres Sicherheitssystem als das der Israelis. Allerdings, ein westliches Gemälde, junge europäische Frauen… worin besteht eigentlich das System? [...] 



 
Thomas Biebricher
Revolte und Einmischung
Ein Erfahrungsbericht aus Bengasi
 
Ina Kerner
Leben im Kapitalismus: >Permanenter Stress<
 
Christopher Daase
Sicherheit schlägt Frieden
Zum normativen Wandel in der Weltpolitik
 
Kendra Briken
Nachbar, Nonprofit, Niedriglohn
Neue politische Ökonomien der inneren Sicherheit
 
Mark Neocleous
Der Sicherheitsfetisch
Zur Produktion von Sicherheitswaren
 
Alexandra Rau
Ängstlich bin ich sowieso
Furcht und Beistand in der postfordistischen Arbeitswelt
 
Marcus Balzereit
Kein Grund zur Panik?
Wie mit dem Wissen über die Angst regiert wird
 
Interview Tim Kaiser/Ole Barnick
»Unter dem Sattelschlepper nützt der Helm wenig«
 
Susann Neuenfeldt/Simon Strick
Hallo Karthago/Hallo Rom: >Befestigtes Lager<
 
Alban Lefranc
Mein halbes Jahr: >Literatur<
Pierre Bergounioux – William Faulkner – Stendhal
 
Christoph Raiser
Mein halbes Jahr: >Musik<
BFBS – Nero – James Blake – Battles – Jan Delay
 
Matthias Dell
Mein halbes Jahr: >Film<
Schlafkrankheit – Ohne Limit – Der Plan



SPIRALE

 
Alice Lagaay
Nichts als das Geheimnis ist sicher!
Die Tagebücher von Wikileaks
 
Interview Ilija Trojanow
»Eine Spirale der Aufrüstung«
 
Dietmar Kammerer
Menschen vor Bildschirmen
Was bekommen wir zu sehen, wenn wir das Bild des toten Terroristen nicht sehen dürfen?
 
Konstantin von Notz/Nils Leopold
Datenschutz muss sich ändern
Eine Aufforderung an den Gesetzgeber
 
Maja Bächler
Körper der Lügen
Wie Hollywood den permanenten Ausnahmezustand inszeniert
 
Martin Saar
Bildpolitik: >Schutzschild<



SCHÖNHEITEN

 
Franziska Schottmann
Eindringlinge
Loch im Zaun: Rodrigo Plàs Die Zone
 
Kendra Briken
Entwarnung
Keine Angst vor Halbstarken: Die Shell Jugendstudie
 
Johannes Kleinbeck
Ohne Bindung
Satz aus der Stille: Glenn Gould spielt das E-Moll Präludium aus Bachs Wohltemperiertem Klavier
 
Charis Goer
Paranoia
Kein Entkommen: Rainald Goetz’ früher Roman Kontrolliert
 
Anna Sailer
Ohne Gewähr
Durch Plagiat und Schweigen hindurch: Der Schwätzer von Louis-René des Fôrets
 
Christoph Raiser
Gefangen
Im Panoptikum: Foucaults Überwachen und Strafen
 
Luisa Banki
Sagbares
Zwischen Sprachen, zwischen Menschen: Gilles Roziers Un amour sans résistance
 
Jan Engelmann
Mehr vom Leben
Auf dem Ergotrip: Wie Versicherungen heute Überschreitung denken
 
Hester Euteneuer
Unschuldig
Wer auffällt, kommt vor Gericht: G.K. Chestertons Roman Menschenskind
 
Steffen Stadthaus
Unverstanden
Eine Welt gerät ins Wanken: Max von der Grüns Irrlicht und Feuer


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