Das Online-Magazin zur Zeitschrift | HALBJAHRESMAGAZIN polar






polar #11: Sicherheit




EDITORIAL

 
Peter Siller, Bertram Keller
Editorial



SORGE

 
Herfried Münkler
Sicherheit und Freiheit
Eine falsche Gegenüberstellung
 
Thomas Biebricher/Frieder Vogelmann
Die Ich-GmbH
Alternativen zum stahlharten Gehäuse der Verantwortung
 
John T. Hamilton
Kinder der Sorge
Ein Mythos über die Sicherheit
 
Achim Vesper
Zuviel des Guten
Sicherheit als Aufgabe des Staates nach Hobbes
 
Dirk Setton
It’s out there…
Pathologie der Sicherheit und Poetik der Überempfindlichkeit in Todd Haynes’ Safe
 
Berthold Vogel
Soziale Sicherheit
Ein unstillbares Bedürfnis
 
Peter Siller/Judith Karcher/Stefan Huster/Arnd Pollmann
Ist es links?: >Grundeinkommen<
 
Ulrich Bröckling
Aktivistischer Negativismus
Sicherheit und Gesundheit im Zeichen des Precautionary Principle
 
Interview Christiane Rösinger
»Love is dead«



STRESS

 

Christian Neuhäuser

Der Turm

Taiwan, der 101 Tower und China – ein nicht ganz risikofreies Beziehungsgeflecht


Im Jahre 2004 wurde in Taipei der architektonisch ebenso eigenwillige wie eindrucksvolle 101 (one-o-one) Tower eröffnet. Mit einer Höhe von 508 Metern war er damals und immerhin für sechs weitere Jahre das höchste Gebäude der Welt, bis er im Jahre 2010 vom Burj Khalifa in Dubai mit einer stolzen und auf längere Sicht wohl kaum zu toppenden Höhe von 828 Metern übertrumpft wurde. Obwohl nur für kurze Zeit das höchste Gebäude der Welt, unterscheidet sich der 101 Tower doch ganz wesentlich von vergleichbaren in die Höhe ragenden Türmen, sei es in Manhattan, Hongkong, Singapur oder Dubai. Der Turm ist in Taipei ein schier singuläres Ereignis. Das hat einen einfachen Grund: Sicherheit.

Der 101 Tower steht ganz einsam da, jedenfalls nicht wie sonst als Teil einer beeindruckenden Skyline mit einer Vielzahl von mehr oder weniger hohen Hochhäusern. Die durchschnittliche Stockwerkzahl in Taipei liegt nämlich nur bei 5–10 Stockwerken und selbst die ansonsten höchsten Hochhäuser kommen auf maximal 20–25 Etagen. Da ragt der 101 Tower mit seinen eben 101 Stockwerken geradezu majestätisch aus dem sonst eher flachen Stadtbild heraus.

Es hat freilich einen guten Grund, dass in Taipei nicht so hoch gebaut wird. Zwar herrscht auch in diesem Großstadtmoloch mit seinen inzwischen mehr als 7 Millionen Einwohnern Platzmangel. Taipei ist jedoch wie ganz Taiwan ein Erdbebengebiet. Fast jedes Jahr gibt es mindestens ein Erdbeben der Stärke 6 und höher. Kein Wunder also, dass bei der Konstruktion von Gebäuden und insbesondere Hochhäusern normalerweise keine unnötigen Risiken eingegangen werden. Doch warum musste dann trotzdem das höchste Gebäude der Welt her? Warum errichtete man mitten im Erdbebengebiet Taipei solch einen massiven Turm mit 101 Stockwerken?

Es ist sicher kein natürlicher Hang zum Risiko, der die Taiwanesen dazu bewegt hat, den 101 Tower zu bauen. Zwar geht es im Straßenverkehr manchmal etwas ruppig zu. Gerade jene allgegenwärtigen und etwas wahnsinnig wirkenden Schwärme von gut und gerne 50 Skootern überholen die Straße kreuzende Fußgänger gleichzeitig von allen Seiten. Das geschieht allerdings nur im Schritttempo und irgendwie fast liebevoll. Ohnehin sind Taiwanesen sehr auf die Sicherheit ihrer Mitmenschen bedacht. So wie in Hongkong oder Singapur auch wagen sich die Chinesen in Taiwan schon bei der kleinsten Erkältung nur noch mit chirurgischer Maske auf die Straße, um ihre Mitmenschen vor Ansteckung zu schützen.  [...]



 
Charlotte Misselwitz
Israelische Sicherheiten
Wann werden Sicherheitssysteme autoaggressiv?
 
Thomas Biebricher
Revolte und Einmischung
Ein Erfahrungsbericht aus Bengasi
 
Ina Kerner
Leben im Kapitalismus: >Permanenter Stress<
 
Christopher Daase
Sicherheit schlägt Frieden
Zum normativen Wandel in der Weltpolitik
 
Kendra Briken
Nachbar, Nonprofit, Niedriglohn
Neue politische Ökonomien der inneren Sicherheit
 
Mark Neocleous
Der Sicherheitsfetisch
Zur Produktion von Sicherheitswaren
 
Alexandra Rau
Ängstlich bin ich sowieso
Furcht und Beistand in der postfordistischen Arbeitswelt
 
Marcus Balzereit
Kein Grund zur Panik?
Wie mit dem Wissen über die Angst regiert wird
 
Interview Tim Kaiser/Ole Barnick
»Unter dem Sattelschlepper nützt der Helm wenig«
 
Susann Neuenfeldt/Simon Strick
Hallo Karthago/Hallo Rom: >Befestigtes Lager<
 
Alban Lefranc
Mein halbes Jahr: >Literatur<
Pierre Bergounioux – William Faulkner – Stendhal
 
Christoph Raiser
Mein halbes Jahr: >Musik<
BFBS – Nero – James Blake – Battles – Jan Delay
 
Matthias Dell
Mein halbes Jahr: >Film<
Schlafkrankheit – Ohne Limit – Der Plan



SPIRALE

 
Alice Lagaay
Nichts als das Geheimnis ist sicher!
Die Tagebücher von Wikileaks
 
Interview Ilija Trojanow
»Eine Spirale der Aufrüstung«
 
Dietmar Kammerer
Menschen vor Bildschirmen
Was bekommen wir zu sehen, wenn wir das Bild des toten Terroristen nicht sehen dürfen?
 
Konstantin von Notz/Nils Leopold
Datenschutz muss sich ändern
Eine Aufforderung an den Gesetzgeber
 
Maja Bächler
Körper der Lügen
Wie Hollywood den permanenten Ausnahmezustand inszeniert
 
Martin Saar
Bildpolitik: >Schutzschild<



SCHÖNHEITEN

 
Franziska Schottmann
Eindringlinge
Loch im Zaun: Rodrigo Plàs Die Zone
 
Kendra Briken
Entwarnung
Keine Angst vor Halbstarken: Die Shell Jugendstudie
 
Johannes Kleinbeck
Ohne Bindung
Satz aus der Stille: Glenn Gould spielt das E-Moll Präludium aus Bachs Wohltemperiertem Klavier
 
Charis Goer
Paranoia
Kein Entkommen: Rainald Goetz’ früher Roman Kontrolliert
 
Anna Sailer
Ohne Gewähr
Durch Plagiat und Schweigen hindurch: Der Schwätzer von Louis-René des Fôrets
 
Christoph Raiser
Gefangen
Im Panoptikum: Foucaults Überwachen und Strafen
 
Luisa Banki
Sagbares
Zwischen Sprachen, zwischen Menschen: Gilles Roziers Un amour sans résistance
 
Jan Engelmann
Mehr vom Leben
Auf dem Ergotrip: Wie Versicherungen heute Überschreitung denken
 
Hester Euteneuer
Unschuldig
Wer auffällt, kommt vor Gericht: G.K. Chestertons Roman Menschenskind
 
Steffen Stadthaus
Unverstanden
Eine Welt gerät ins Wanken: Max von der Grüns Irrlicht und Feuer


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