Das Online-Magazin zur Zeitschrift | HALBJAHRESMAGAZIN polar






polar #19: Krieg und Frieden




EDITORIAL

 
Peter Siller/Bertram Lomfeld
Editorial


INTERVENTION

 
Wilfried Hinsch
Verpflichtet zur Intervention?
Überlegungen aus ethischer Sicht
 
Reinhard Merkel
Demokratischer Interventionismus?
Zwei Modelle einer gescheiterten Idee
 
Mattias Kumm
25 Jahre nach Ende des Kalten Krieges
Der liberal-demokratische Verfassungsstaat zwischen autoritären Herausforderungen und neuen Kriegen
 
Heinrich August Winkler
Was bedeutet internationale Verantwortung?
Gedanken zur deutschen Außenpolitik
 
Anna Geis
Demokratischer Frieden
Eine unerschütterliche liberale Utopie?
 
Pierre Thielbörger
Grün ist die Hoffnung – und der Krieg?
Der Sicherheitsrat als Klimaschützer im 21. Jahrhundert
 
Thorsten Thiel
Cyber, Cyber
Krieg und Frieden in einer vernetzten Welt
 
 

Stefan Huster/Arnd Pollmann/Wilfried Hinsch/Peter Siller

Ist es links? >Veggieday<


Es gibt gute Gründe, militärischen Interventionen zur Friedensschaffung in der Regel kritisch zu begegnen. Angesichts der unklaren langfristigen Erfolgsaussichten und der „Kollateralschäden" mag oft Zurückhaltung geboten sein. Aber das erspart uns nicht die Abwägung im Einzelfall. Denn es gibt Fälle, bei denen man nur um den Preis der Realitätsverleugnung oder des Zynismus bestreiten kann, dass der Einsatz von Waffen gerechtfertigt, ja sogar dringend erforderlich war. Wenn die Alliierten im Zweiten Weltkrieg Deutschland nicht mit Waffengewalt niedergerungen und für Frieden gesorgt hätten, wäre alles noch viel schlimmer geworden. Oder hat jemand den Mut, den geretteten Opfern der nationalsozialistischen Verfolgung und Kriegsführung zu erklären, dass Diplomatie, ein Wirtschaftsboykott oder der schlichte Zeitablauf den Faschismus möglicherweise irgendwann auch beendet hätten? Wenn es aber einen klaren Fall gibt, kann er immer wieder kommen. Da helfen wohlmeinende, aber viel zu allgemeine Parolen gar nichts. Abwägen und Nachdenken mit allen Risiken des Scheiterns gehören zur Politik - wer (scheinbare) Klarheit und Sicherheit will, lässt lieber die Finger davon. Stefan Huster 

Wenn kriegerische Gewalt überhaupt je legitim sein kann, dann nur, wenn dadurch schwerste Menschenrechtsverletzungen zu stoppen sind. In diesem Fall aber wäre es ein Zeichen von intellektueller Redlichkeit, sich zu entscheiden: entweder für einen radikalen Pazifismus und somit zu Ungunsten unverlierbarer Menschenrechte. Oder aber umgekehrt: Zu Gunsten eines konsequenten Menschenrechtsschutzes, dann aber zugleich auch gegen einen bedingungslosen Pazifismus. Schon im Bürgerkrieg gilt: Der revolutionäre Kampf um Menschenrechte mobilisiert eine legitime Gegengewalt gegen staatliche Willkürherrschaft. Bereits in dieser Hinsicht ist das Anliegen der Menschenrechte mit einem durchweg konsequenten Gewaltverzicht unvereinbar. Fraglich ist aber, ob die internationale Staatengemeinschaft in derartige Bürgerkriege eingreifen sollte, um „in Stellvertretung" eine entsprechende Gegengewalt auszuüben. Ein autoritäres Regime jedenfalls, das massiv Menschenrechte missachtet, kann nicht länger als Ausdruck eines demokratisch geeinten Volkswillens verstanden werden. Es wird vielmehr zu einem gewalttätigen Feind der Demokratie, der seinerseits mit Gegengewalt rechnen muss. Und dabei büßt das Regime nicht nur seine innere Legitimität, sondern zugleich auch seine äußere Souveränität ein. Arnd Pollmann [...]




INVENTUR

 
Rebecca Harms
Ukraine, 19. bis 21. Februar 2015
Ein Reisebericht
 
Matthias Schaffrick/Thomas Weitin/Niels Werber
Nicht Krieg, nicht Frieden
Postsouveränes Erzählen und Gegenwartsliteratur
 
Désirée Kaiser
Nicht tot zu kriegen
Zur Resistenz deutscher Feldpost
 
Thomas Kleinheinrich
Flashbacks
Die Auswirkungen von Auslandseinsätzen auf VeteranenInnen und Angehörige
 
Anja Seiler
»Sie haben mich behandelt wie ein Tier«
Zwei Flüchtlingsgeschichten aus Bayern
 
Julia Roth
Living on the Edge
Vom Alltag des Ausnahmezustands in Israel
 
Maja Bächler
Friede, Freude, Sicherheit
Spannungen zwischen Militär, Politik und Gesellschaft
 
Anna-Catharina Gebbers
Die Benutzeroberfläche des Krieges
Situation Rooms vom Theaterkollektiv Rimini Protokoll
 
Johanna-Charlotte Horst
Mein halbes Jahr: ›Literatur‹
Claude Simon – Lew Tolstoi – Theodor W. Adorno
 
Johannes von Weizsäcker
Mein halbes Jahr: ›Musik‹
Laurent Garnier – Motorama – Fujiya Miyagi – Whomadewho – Viet Cong – Stewart Lee
 
Matthias Dell
Mein halbes Jahr: ›Musik‹
Une Jeunesse allemande – Die Folgen der Tat – Beyond Punishment



INTROSPEKTION

 
Milo Rau
Der Frieden des Herzens und der guten Absichten
Eröffnungsrede zu »Das Kongo Tribunal«
 
Bertram Lomfeld
Die Kunst des Prozesses
Realtheater der Weltpolitik
 
John von Düffel/Malin Nagel
Dynastie und Krieg
›Ödipus Stadt‹ von Sophokles, Euripides und Aischylos
 
Bernhard Viel
Bellizistische Insekten
Die Biene Maja und der Erste Weltkrieg
 
Susann Neuenfeldt/Simon Strick
Hallo Karthago/Hallo Rom:>Dein falscher Frieden<
 
Martin Saar
Bildpolitik: >Die normale Streitkraft<
 
Ina Kerner
Leben im Kapitalismus: >Krieg der Trolle<



SCHÖNHEITEN

 
Patrick Thor
Das höchste Spiel
Von der Welt als Western: Cormac McCarthys Blood Meridian Or The Evening Redness in the West
 
Christoph Raiser
Irre
Krieg und Klischee: The Incal von Alejandro Jodorowsky und Moebius
 
Robin Celikates
Happy Days
Kriegsfolgen und Vatervergötterung: Kenzaburo Ôes The Day He Himself Shall Wipe My Tears Away
 
Anna-Catharina Gebbers
Zähne Zeigen
Reparatur als Transformation: Kader Attias The Repair
 
Franziska Humphreys
Vermintes Gebiet
Löcher in der Kausalität: Wolfgang Herrndorfs Sand
 
Bertram Lomfeld
Ein seltsames Spiel
Nicht zu gewinnen: Thomas Schellings The Strategy of Conflict
 
Arnd Pollmann
Kriegsmüde
Demokratie, Völkerbund und Weltbürgerrecht: Kants Zum ewigen Frieden
 
Hybris und Kalkül
Zynische Verkehrung: Carl Schmitts Die Wendung zum diskriminierenden Kriegsbegriff
 
Tillman Vogt
Gelage und Gemetzel
Unerträglich: Curzio Malapartes Kaputt


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