Das Online-Magazin zur Zeitschrift | HALBJAHRESMAGAZIN polar






polar #14: Sex und Befreiung




EDITORIAL

 
Peter Siller/Bertram Keller
Editorial



ERWIDERUNG

 
Greta Christina
Was zählt?
Zur Grauzone zwischen Sex und Nicht-Sex
 
Gunter Schmidt
Befreiung der Sexualität? Befreiung durch Sexualität?
Zur Problematik des Begriffs »sexuelle Freiheit«
 
Andrea Roedig
Unterm Spaß riecht es nach Angst
Wie der Feminismus seinen Sex verlor
 
Pınar Selek
Gegen die Wand der Maskulinität
Wie der Feminismus dazu beiträgt, die Logik des Krieges in der Türkei zu überwinden
 
Kathrin Ganz
Der Druck muss raus
Sexualaufklärung ohne Unsicherheitskultur
 
Holly Davis
Verhärtete Fronten
Für eine Waffenruhe in der Prostitutionsdebatte
 
 

Stefan Gosepath

Sex und Gerechtigkeit

Passen Justitia und Venus zusammen?


Justitia ist bekanntlich die mit den die Unparteilichkeit symbolisierenden Attributen der Waage und Augenbinde versehene Göttin der Gerechtigkeit, die der so ermittelten Gerechtigkeit mit dem Schwert (dem dritten Symbol) zu ihrem Recht verhilft. Venus bzw. ihr griechisches Pendant Aphrodite hingegen ist die göttliche Verkörperung der Liebe und (sexuellen) Begierde. Auf den ersten Blick könnten beide nicht gegensätzlicher sein. Die eine verficht das Prinzip der Unparteilichkeit, die andere hingegen wirbt recht erfolgreich für die schönste Art der Parteilichkeit, die Liebe einschließlich der erfüllten sexuellen Begierde. Bei sich gegenseitig Liebenden braucht es anscheinend keine Gerechtigkeit. Liebende geben sich wechselseitig aus Zuneigung zueinander und vollem wechselseitigen Verständnis so weit sie können alles, was sie bedürfen und wünschen. Deshalb bedarf es keiner Gerechtigkeit im wahren Liebesverhältnis.

Kein Anspruch auf Liebe
Es scheint zunächst einmal also gar nicht klar, wo die Schnittmenge zwischen Liebe und Sex auf der einen Seite und Gerechtigkeit auf der anderen liegen soll. Liebe kann man nämlich weder von anderen einfordern noch selbst verbürgen. Auch wenn es eine wesentliche, vielleicht unverzichtbare Voraussetzung für ein gelungenes Leben sein sollte, geliebt zu werden, so hat doch keine/r Anspruch darauf, geliebt zu werden, denn Liebe lässt sich im Gegensatz zu weniger anspruchsvollen Formen der Zuwendung und Fürsorge nicht intentional herstellen oder auf jemanden im besonderen richten. Deshalb kann diese wichtige »Ressource « wesensmäßig weder willentlich gewährt noch gar (um)verteilt werden: So ungerecht es einer Person vorkommen mag, nicht attraktiv, geliebt oder begehrt zu sein, so handelt es sich hier doch nicht um Ungerechtigkeiten, weil die entsprechenden Handlungen oder Einstellungen, die zu dem angestrebten und gefühlt ›gerechten‹ Zustand führen würden, nicht verpflichtend gemacht werden können, da sie eben nicht oder nur sehr bedingt intentional veränderbar sind.

Zwei Ebenen von »Sex-Gerechtigkeit«

Dass Liebe und Sex allerdings überhaupt immer zusammengehen sollen, ist eine ziemlich junge Vorstellung, die zudem immer umstritten geblieben ist. Große Bereiche der alltäglichen Realität zumindest entsprechen ihr – gelinde gesagt –  kaum. Liebe und Zuneigung war, ist und bleibt wohl mehr als oft von körperlicher, sexueller Begierde getrennt. Damit kann Sex durchaus zu einem Problem der Gerechtigkeit werden: Wo Sex nichts mit liebevoller Zuneigung zu tun hat, stellt sich die Frage, ob es nicht doch berechtigte, einforderbare Ansprüche auf körperliche Liebe, vulgo Sex gibt. Es lassen sich dabei zwei Ebenen solcher Ansprüche auf »Sex-Gerechtigkeit« unterscheiden: Einmal innerhalb einer sexuellen Beziehung selber, also zwischen den an einer sexuellen Handlung selber Beteiligten, und zum anderen im Verhältnis bestimmter sexueller Praktiken zu anderen Mitgliedern der Gesellschaft und der Gesamtgesellschaft. [...]


 
Interview Peaches
»Die sexuelle Revolution war männlich«
 
Corinna Mieth/Arnd Pollmann/Klaus Günther/Peter Siller
Ist es links? >Sexuelle Gerechtigkeit<



ERREGUNG

 
Anna-Katharina Meßmer
Fragen Sie Ihren örtlichen Vagina-Designer
Über Intimchirurgie und das Scheitern
 
Svenja Flaßpöhler
Alles Porno
Sex im Burnout-Zeitalter
 
Julia Seeliger
Macht Euch mal locker
Dates, Porno und Liebe im Internet
 
Volker Woltersdorff
Vernünftige Unvernunft?
Zur Lust am Spiel mit der Macht
 
Silvio Wirth
Den Tiger reiten
Tantra als Beitrag zu einer erotischen Kultur
 
Cordelia Fine
Abschied von der Pappkameraden- Feministin
Neurosexismus und Wissenschaftsgläubigkeit
 
Henriette Fiebig
Kopulierende Breitrandschildkröten n
Wie Online-Enzyklopädisten sich (nicht nur) hehren Zielen verschreibe
 
Amely Wahnschaffe
Liebe, Schmerz, Hoffnung
Ein paar Sexualitäten, vom Therapeutensessel aus gesehen
 
Aletta Diefenbach
Daphne und Alex
Eine Ur(bett)szene der sexuellen Befreiung
 
Johann S. Ach
Mensch und Tier
Bundesrats-Drucksache (300/1/12): Zur aktuellen Debatte um »Tierbordelle«
 
Marie Schmidt
Mein Halbes Jahr: >Literatur<
Jean Clam – Miranda July – Byung-Chul Han
 
Johannes von Weizsäcker
Mein Halbes Jahr: >Musik<
Sasha Grey – aTelecine – Carter Tutti Void – Throbbing Gristle – Factory Floor – Frank Ocean – Jon Spencer Blues Explosion – Ghikas-Walshe
 
Matthias Dell
Mein Halbes Jahr: >Film<
Zero Dark Thirty – Silver Linings Playbook – Paradies: Liebe



EMANZIPATION

 
Mark Greif
Im Hochsommer der Sexkinder
Plädoyer für die Wiederentdeckung des Erwachsenseins
 
Susann Neuenfeldt/Simon Strick
Hallo Rom/Hallo Karthago: >Nacht für Nacht<
 
Martin Saar
>SeXXX!<
 
Ina Kerner
Leben im Kapitalismus: >Jyoti Singh und der Feminismus in Indien<



SCHÖNHEITEN

 
Franziska Humphreys
Diskursive Explosionen
Die ewigen Spiralen von Lust und Macht: Michel Foucaults Geschichte der Sexualität
 
Johannes Kleinbeck
Nähren und Annähern
Absolute Vereinigung? »Liebesjubel« in Richard Wagners Siegfried
 
Leo Lencsés
Dramatische Verknappung
Der Koitus als vierte Dimension: Zur Malerei von William N. Copley
 
Jan Engelmann
Schöne Aussichten
Sexuelle Deutungsmuster: Wie HBO zeigt, was wir alles wissen wollen
 
Anna-Catharina Gebbers
Unperfekt
Nach der Pornowelle: Die Fotos von Heji Shin in MAKE LOVE
 
Lydia Hibbeln
Grausame Schönheit
Liebe zum Körper: Jacques Audiards Der Geschmack von Rost und Knochen
 
Arnd Pollmann
Flotter Vierer
Sublimierung auf höchstem Niveau: Das literarische Quartett
 
Anna-Katharina Meßmer
Fickt euch
Dann gleich Kristina Schröder: Catherine Hakims Erotisches Kapital
 
Elias Kreuzmair
Bößer Spaß
Wo fängt Macht an? Blumfelds Lass uns nicht von Sex reden
 
Daniel Herleth
Teil des Kalküls
Vielleicht die letzte Chance: Paul Schraders The Canyons


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