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polar #14: Sex und Befreiung




EDITORIAL

 
Peter Siller/Bertram Keller
Editorial



ERWIDERUNG

 
Greta Christina
Was zählt?
Zur Grauzone zwischen Sex und Nicht-Sex
 
Gunter Schmidt
Befreiung der Sexualität? Befreiung durch Sexualität?
Zur Problematik des Begriffs »sexuelle Freiheit«
 
 

Andrea Roedig

Unterm Spaß riecht es nach Angst

Wie der Feminismus seinen Sex verlor


Früher galt Sexualität als »Angelpunkt der Frauenfrage«. Doch heute scheinen von den großen Forderungen des Feminismus nur noch die nach mehr Krippenplätzen und besseren Aufstiegschancen übrig zu sein. Wo ist eigentlich das Thema Sex geblieben? Eine Suche.

Von »Working Mum« Kate Reddy stammt der Satz, früher hätten die Frauen den Orgasmus gefakt, heute fakten sie per Fertigbackmischung die Kuchen. In den letzten Jahrzehnten hat das weibliche Geschlecht zwischen den Bettlaken einen nicht für möglich gehaltenen Sieg errungen. Frauen, so konstatiert beispielsweise der Sexualwissenschaftler Volkmar Sigusch, hätten heute das erotische Heft in der Hand und bestimmten in puncto Beischlaf, wo es lang geht.

Angesichts der nicht zu bezweifelnden Erfolge der sexuellen Befreiung der Frauen, scheint es nicht verwunderlich, dass sich die öffentlichen feministischen Debatten, wenn es denn noch welche gibt, heute allerhöchstens um Karrierechancen, Kindererziehung und Kaufkraft drehen. Bezeichnend war beispielsweise die Debatte, die die ehemalige taz-Chefin Bascha Mika mit ihrem Buch Die Feigheit der Frauen im Frühjahr 2011 in den deutschen Feuilletons auslöste. Die aufgeregte Polemik gegen karriereflüchtige Latte-Macchiato-Mütter drehte sich um das gegenwärtig einzig sensible Feld: Beruf, Erfolg, Selbstoptimierung und Macht. So weit, so richtig.

So weit, so eigenartig aber auch. Denn kann es wirklich sein, dass der berühmt berüchtigte »Kampf der Geschlechter« nichts mehr mit Sexualität zu tun hat? Und Sexualität nichts mehr mit Politik? Die Sache sieht zu glatt aus, es ist, als gebe es da einen blinden Fleck oder etwas, das wir schlicht vergessen haben.

In Alice Schwarzers Klassiker Der kleine Unterschied aus dem Jahr 1975 findet sich die Aussage, dass »die Sexualität der Angelpunkt der Frauenfrage« sei. Das war damals common sense und klingt heute eher befremdlich. Aber warum eigentlich? Wie ist dem Feminismus auf dem Weg der letzten 40 Jahre das Thema Sex abhanden gekommen? [...]


 
Pınar Selek
Gegen die Wand der Maskulinität
Wie der Feminismus dazu beiträgt, die Logik des Krieges in der Türkei zu überwinden
 
Kathrin Ganz
Der Druck muss raus
Sexualaufklärung ohne Unsicherheitskultur
 
Holly Davis
Verhärtete Fronten
Für eine Waffenruhe in der Prostitutionsdebatte
 
Stefan Gosepath
Sex und Gerechtigkeit
Passen Justitia und Venus zusammen?
 
Interview Peaches
»Die sexuelle Revolution war männlich«
 
Corinna Mieth/Arnd Pollmann/Klaus Günther/Peter Siller
Ist es links? >Sexuelle Gerechtigkeit<



ERREGUNG

 
Anna-Katharina Meßmer
Fragen Sie Ihren örtlichen Vagina-Designer
Über Intimchirurgie und das Scheitern
 
Svenja Flaßpöhler
Alles Porno
Sex im Burnout-Zeitalter
 
Julia Seeliger
Macht Euch mal locker
Dates, Porno und Liebe im Internet
 
Volker Woltersdorff
Vernünftige Unvernunft?
Zur Lust am Spiel mit der Macht
 
Silvio Wirth
Den Tiger reiten
Tantra als Beitrag zu einer erotischen Kultur
 
Cordelia Fine
Abschied von der Pappkameraden- Feministin
Neurosexismus und Wissenschaftsgläubigkeit
 
Henriette Fiebig
Kopulierende Breitrandschildkröten n
Wie Online-Enzyklopädisten sich (nicht nur) hehren Zielen verschreibe
 
Amely Wahnschaffe
Liebe, Schmerz, Hoffnung
Ein paar Sexualitäten, vom Therapeutensessel aus gesehen
 
Aletta Diefenbach
Daphne und Alex
Eine Ur(bett)szene der sexuellen Befreiung
 
Johann S. Ach
Mensch und Tier
Bundesrats-Drucksache (300/1/12): Zur aktuellen Debatte um »Tierbordelle«
 
Marie Schmidt
Mein Halbes Jahr: >Literatur<
Jean Clam – Miranda July – Byung-Chul Han
 
Johannes von Weizsäcker
Mein Halbes Jahr: >Musik<
Sasha Grey – aTelecine – Carter Tutti Void – Throbbing Gristle – Factory Floor – Frank Ocean – Jon Spencer Blues Explosion – Ghikas-Walshe
 
Matthias Dell
Mein Halbes Jahr: >Film<
Zero Dark Thirty – Silver Linings Playbook – Paradies: Liebe



EMANZIPATION

 
Mark Greif
Im Hochsommer der Sexkinder
Plädoyer für die Wiederentdeckung des Erwachsenseins
 
Susann Neuenfeldt/Simon Strick
Hallo Rom/Hallo Karthago: >Nacht für Nacht<
 
Martin Saar
>SeXXX!<
 
Ina Kerner
Leben im Kapitalismus: >Jyoti Singh und der Feminismus in Indien<



SCHÖNHEITEN

 
Franziska Humphreys
Diskursive Explosionen
Die ewigen Spiralen von Lust und Macht: Michel Foucaults Geschichte der Sexualität
 
Johannes Kleinbeck
Nähren und Annähern
Absolute Vereinigung? »Liebesjubel« in Richard Wagners Siegfried
 
Leo Lencsés
Dramatische Verknappung
Der Koitus als vierte Dimension: Zur Malerei von William N. Copley
 
Jan Engelmann
Schöne Aussichten
Sexuelle Deutungsmuster: Wie HBO zeigt, was wir alles wissen wollen
 
Anna-Catharina Gebbers
Unperfekt
Nach der Pornowelle: Die Fotos von Heji Shin in MAKE LOVE
 
Lydia Hibbeln
Grausame Schönheit
Liebe zum Körper: Jacques Audiards Der Geschmack von Rost und Knochen
 
Arnd Pollmann
Flotter Vierer
Sublimierung auf höchstem Niveau: Das literarische Quartett
 
Anna-Katharina Meßmer
Fickt euch
Dann gleich Kristina Schröder: Catherine Hakims Erotisches Kapital
 
Elias Kreuzmair
Bößer Spaß
Wo fängt Macht an? Blumfelds Lass uns nicht von Sex reden
 
Daniel Herleth
Teil des Kalküls
Vielleicht die letzte Chance: Paul Schraders The Canyons


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