Das Online-Magazin zur Zeitschrift | HALBJAHRESMAGAZIN polar






polar #5: Politik der Freundschaft



EDITORIAL

 
Peter Siller,/Bertram Keller
Editorial



INS HERZ

 
Georg W. Bertram
Was uns aneinander bindet
Das komplexe Netz freundschaftlicher Beziehungen
 
Peter Siller
Grundlose Freunde
Zur Irritation intrinsischer Verbundenheit
 
Interview Ann Elisabeth Auhagen
»Sei dein Freund«
 
Martin Hecht
Netzwerk statt Fachwerk
Die neue Autonomie der Freundschaft
 
Jörn Lamla/Thies W . Böttcher
»Social Net«-Work
Freundschaft als digitale WerbeflÀche
 
Jörg Benedict
Jenseits von Ehe und Familie
Amorphe Sonderverbindungen: Freundschaft als Rechtsinstitut
 
Sebastian Groth
Völkerfreundschaft
Zur Grauzone zwischen protokollarischer Inszenierung und politischem Ereignis
 
Julien Lennert
An der Grenze
Panarabismus und FlĂŒchtlingspolitik in Syrien
 
Hilal Sezgin
Mein Freund, das Schaf
Von StÀdtern, Bauern und ihren Tieren
 
 

Stefan Gosepath, Arnd Pollmann, Stefan Huster, Peter Siller

Ist es links?: >Parteilichkeit<


Rechte oder Pflichten erscheinen uns nur dann als gerecht, wenn sie für uns überzeugend beanspruchen können, auf unparteiliche Weise begründbar zu sein. Justitia richtet ohne Ansehen der Person. Ihre Augen sind deshalb verbunden, aber sie ist nicht blind. Denn die Suche nach Wahrheit und Gerechtigkeit verlangt offene Augen und Ohren. Unparteiisch ist man mit Bezug auf eine bestimmte Gruppe genau dann, wenn das eigene Urteil überhaupt nicht davon beeinflusst ist, ob und welche Mitglieder der Gruppe von dem eigenen Urteil profitieren oder benachteiligt werden. Gerechtigkeit verlangt also Unparteilichkeit. Wenn »links sein« bedeutet, für Gerechtigkeit zu sein, bedeutet es demnach auch, unparteilich zu sein. Wer die Perspektive der unparteilichen Gerechtigkeit einnimmt, tut dies, um für die ansonsten Schwachen, Benachteiligten und Ausgeschlossenen einzutreten. In diesem Sinne ist Gerechtigkeit zugleich parteiisch zugunsten der Schwachen. Stefan Gosepath

Wenn es Streit gibt, kann man nicht immer unparteiisch bleiben. Wer etwas durchsetzen oder verhindern will, muss Partei ergreifen, sich auf die eine oder andere Seite des Streits werfen. Ganz gleich, ob man dabei rechts oder links landet: Alle haben zunächst genau dasselbe Recht, ihre Sache gänzlich einseitig zu vertreten. Insofern lässt Parteilichkeit sich also unparteilich rechtfertigen. Am Ende aber ist es doch nicht gleich, auf welcher Seite man steht. Wer auf der Rechten streitet, ist nicht nur parteiisch, sondern bleibt es auch. Ja, rechts zu sein, kann geradezu definiert werden als: das Eigene schon im Prinzip dem Anderen vorziehen. Dagegen ist linke Parteilichkeit eine Parteilichkeit höherer Stufe. Denn auf der Linken hat man parteiisch im Dienste der Unparteilichkeit zu sein. Diese fordert: Zwar sind nicht alle Menschen strikt gleich, wohl aber »als Gleiche« zu behandeln. Dass dies gar nicht so einfach ist und auch nicht unbedingt Sympathien einbringt, lässt sich an den Aufgaben eines Fußball-Schiedsrichters ermessen. Die den »Unparteiischen« betreffende DFB-Regel 5 umfasst insgesamt 14 Seiten. Arnd Pollmann

Naheliegende Antwort: Es kommt darauf an, für was man Partei ergreift. Und da es nicht die Falschen sein dürfen, ist Parteilichkeit zunächst einmal nur links, wenn sie auf Unparteilichkeit beruht – auf einer fairen Bewertung, wer eine Parteinahme für seine Belange verdient hat. Aber ist das alles? Ist Linkssein nicht strukturell mit Parteilichkeit verknüpft? Konservative können es sich leisten, über die Vergeblichkeit und Eitelkeit allen menschlichen und vor allem politischen Strebens zu räsonieren. Ihre Attitüde ist es, to delight in what is present rather than what was or what may be, wie Michael Oakeshott es so treffend beschrieben hat. Die Linke darf sich damit nicht bescheiden; sie glaubt an die Veränderbarkeit der Verhältnisse und wird deshalb immer – für was auch immer – Partei ergreifen. Umso mehr muss sie sich ihrer Verantwortung und ihrer Irrtümer bewusst sein. Stefan Huster

>Parteilichkeit<


Der Grundsatz der Gerechtigkeit verbietet willkürliche Ungleichbehandlung und setzt deshalb einen Standpunkt der Unparteilichkeit voraus. Sinnvoll verstanden kann der moralische Anspruch der Unparteilichkeit nur heißen, sehenden Auges Benachteiligungen auszugleichen und insofern Partei zu ergreifen. (Mit Blick auf Staat und Recht stößt dieser Anspruch einer kontextsensiblen Unparteilichkeit freilich an Grenzen.) Wie lässt sich dann erklären, dass wir einem Freund bis zur Selbstausopferung aus der Scheiße helfen, anderen aber nicht? Beruht die Parteilichkeit der Freundschaft insofern auf Unparteilichkeit, als sie reziprok gilt und wir im Bedarfsfall die gleiche Solidarität zurückbekommen? Nein. Freundschaft lässt sich weder als Tauschgeschäft noch als Versicherung verstehen. Wie aber sonst kommen Freundschaft und Unparteilichkeit zusammen? Zwei Versuche: Weil die subsidiäre Vielzahl der freundschaftsbedingten Parteilichkeiten im gesellschaftlichen Ganzen zu mehr unparteilicher Solidarität führt. Weil sich Freundschaft und Liebe gegen Übergriffe verteidigen – auch gegen solche falsch verstandener Unparteilichkeit. Peter Siller



 
Ina Kerner
Leben im Kapitalismus: >Host Mom<



IM NETZ

 
Frank Überall
Drink doch ene met
KlĂŒngel, Strippenzieher und echte Freunde in der Politik
 
Vincenz Leuschner
Geben und Nehmen
Die informelle Struktur politischer Freundschaften
 
Michael Miebach
Die Kontrolle der Seilschaft
Warum Politik offene Netzwerke braucht
 
Jan Philipp Albrecht
In der Idee die Verbundenheit
Warum Politik Freundschaft braucht und gefÀhrdet
 
Interview Danielle Allen
»Sollten BĂŒrger Freunde sein?«
 
Arnd Pollmann
Die nennen es Arbeit
In der Geisterbahn des geisteswissenschaftlichen Netzwerks
 
Julia Roth
Bond Girls go Girl Bonding
Frauenfreundschaft zwischen Mythos und Strategie
 
Erika Alleweldt
Sich bewegen mĂŒssen
Zum Freundschafts-VerstÀndnis junger Journalistinnen
 
Janosch Schobin/Kai Marquardsen
Auf solche Freunde kann man verzichten
Arbeitslosigkeit und soziale Hoffnungen
 
Stefan Kaufmann
Sinncontainer: >Netzwerk<
 
Neue Berliner Sprachkritik
Der wahre Text: >Bist Du ein Netzwerker?<
 
Christoph Raiser
Mein halbes Jahr: >Musik<
Cobblestone Jazz – Elio e le storie tese – Noir DĂ©sir – Death Cab for Cutie – Sherry Black and the Port Authority – Scout Niblett
 
Lukas Foerster
Mein halbes Jahr: >Film<
Southland Tales – Skokie – The Emperor’s Naked Army Marches On
 
Anja Höfer
Mein halbes Jahr: >Literatur<
Clemens Meyer – Jenny Erpenbeck – Michael KumpfmĂŒller



AM RAND

 
Torsten Hahn
Landschaft des Verrats
Ulrich Peltzers Roman »Teil der Lösung«
 
Interview Michael Lentz
»Boxen ist ein toller Sport«
 
Bini Adamczak
Freundinnen werden
Zur Konstruktion neuer Beziehungen diesseits von Abstammung und Markt
 
Martin Saar
Bildpolitik: >Gegen die Wand<
 
Dietrich BrĂŒggemann
Mein Freund, der Film
Eine Recherche unter Freunden
 
Bernadette La Hengst
Wenn du gehst
Über Musik als Medium von Freundschaft, Liebe und Politik



SCHÖNHEITEN

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