Das Online-Magazin zur Zeitschrift | HALBJAHRESMAGAZIN polar






polar #20: Expertokratie




EDITORIAL

 
Peter Siller/Bertram Lomfeld
Editorial


VERMITTELN

 
Carl Friedrich Gethmann
Macht und Befreiung
Wissenschaftliche Politikberatung in Deutschland
 
Thomas Biebricher
Die Nonchalance der Kommission
Technokratie in der Krise
 
Rudolph Speth
Lasst uns nur machen
Demokratieverlust durch Expertokratie
 
Ulrike Meyer
Politik mit Tarnkappe
Warum Demokratie Werte statt Wahrheit braucht
 
Jan Engelmann
Wahrheit ist Arbeit
Wikipedianer als Fehlerfinder
 
Oliver Lepsius
Eine Super-Nanny?
Das Bundesverfassungsgericht als Garant eines [Text Text Text Text Text Text Text]
 
Interview Gabriele Dietze
Sexualität und Wahrheit
 
Thomas Hoffmann
Verschwörungstheorien
Wenn aus vernünftiger Sinnstiftung prekärer Nonsense wird
 
Hans Peter Peters
Zwickmühle des Wissens
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im öffentlichen



VERMUTEN

 
Rainald Goetz
Spekulativer Realismus
 
Maurizio Ferraris
Manifest des neuen Realismus
Ein Auszug
 
Annika Bender
Spektakulärer Realismus
Kunstkritische Anmerkungen zum Spekulativen Realismus
 
Thomas Schramme
Wenn Philosophen aus der Hüfte schießen
Die Untiefen angewandter Ethik
 
 

Ludger Schwarte

Wahrheit in Bildern

Das Unvordenkliche zeigen


Bilder können Situationen festhalten, die sich vor dem Auge, vor der Linse, in der Welt zutragen; sie können auf etwas verweisen oder Anweisungen zur Herstellung von etwas geben, das anschließend außerhalb des Bildes zu sehen wäre. Doch neben diesen abbildenden Bildern gibt es Arten von Bildern, die etwas zu zeigen vermögen, für das es in der Realität kein Gegenstück gibt, das man folglich nicht mit bloßem Auge außerhalb des Bildes anschauen könnte. Beispiele hierfür sind: Skelette, Röntgenaufnahmen, fMRT-Aufnahmen, astrophysikalische Bilder, die elektromagnetische Strahlung visualisieren, mikroskopische Aufnahmen, Zeitlupen, Zielfotos. Doch auch viele künstlerische Bilder, insbesondere Malereien, fallen in diese Kategorie. Diese Bildarten entfalteten eine Visualität, mit der etwas Neues in die Welt kommt. Sie zeigen etwas Unvergleichliches, Unvordenkliches, nur Sichtbares, das Aufschluss gibt über die Wirklichkeit.

Man könnte vermuten, dass diesen Bildern, vor allem den künstlerischen, mangels Vergleichsmöglichkeit vor allem eine ästhetische Wahrheit eignet. Diese würde sich etwa in der Gestaltung und »strengen inneren Durchbildung« finden. Doch diese formal-stilistische Wahrheit ist offenbar weder das, was wir in Röntgenbildern sehen, noch das, was uns beispielsweise Cézanne oder Andy Warhol über die Welt eröffnen. Neben den dominanten Wahrheitstheorien, der Korrespondenz- und der Ereignistheorie und den Theorien zur ästhetischen Wahrheit, gibt es daher noch mindestens eine vierte Möglichkeit, über Wahrheit nachzudenken. In dieser vierten Variante wird nicht die Wahrheit einer Aussage festgestellt, es wird kein Wahrheitsgeschehen bezeugt und keine subjektive Wahrheitserfahrung ausgelöst; vielmehr kommt hier die Wahrheit selbst zum Vorschein.

Wenn ich der Wahrheit selbst ins Gesicht sehen könnte, dann wäre sie keine Entsprechungsrelation und kein Entbergungsgeschehen. Was kann ich über die Wahrheit selbst wissen? Wenn die Wahrheit selbst mir in bildhaft-körperlicher Gestalt vor Augen tritt, kann ich mich zu ihr verhalten, sie erfahren, bezweifeln, untersuchen. Wenn man diese Wahrheit herstellen kann, nämlich im Modus des Bildes, dann kann man, in Abgrenzung zu Foucaults »Veridiktion« von einer Verifikation sprechen: eine hergestellte, vorgezeigte Wahrheit. Sie benötigt keinen Sprechermut, sondern stellt etwas in die Welt, das diese intuierbar, anschaulich und damit verständlicher macht. Diese Verifikation wäre damit weniger das Beibringen von Gründen, um etwas für wahr zu halten, als vielmehr die Exposition von etwas als anschauliche Gewissheit, als manifeste Wahrheit, die Transformation von etwas in eine pikturale Evidenz. [...]



 
Michael Eggers
Echt jetzt.
Die neue Wirksamkeit der Künste und Medien
 
Achim Geisenhanslüke
Ein schwieriges Verhältnis
Über Literatur und Wahrheit
 
Peter Siller
Mein halbes Jahr: >Comic<
 
Johannes von Weizsäcker
Mein halbes Jahr: >Musik<
 
Johanna-Charlotte Horst
Mein halbes Jahr >Literatur<
 
Matthias Dell
Mein halbes Jahr >Film<



VERHANDELN

 
Peter Siller
Der Streit um das Allgemeine
Parteien als entscheidende Institution in der demokratischen
 
Michael Koß
Demokratische Nebenwirkungen
Gibt es eine Krise des Parlamentarismus?
 
Stefan Huster/Bertram Lomfeld/Arnd Pollmann/Peter Siller
Ist es links?: >Wahrheit<
 
Ina Kerner
Leben im Kapitalismus: >Die Sache mit Hitler<



SCHÖNHEITEN

 
Luisa Banki
Logik und Verbrechen
Der Experte als Ästhet: Sherlock Holmes im TV
 
Tilman Salomon
Sokratik und Sophistik
Think Tanks und Philosophenkönige: Platons
 
Franziska Humphreys
Stimme des Gewissens
Die Wahrheit stirbt zuletzt: Salvador Allendes letzte
 
Christoph Raiser
Immer der Nase nach
Lehrstück über Minister und Experten: Die Graphic
 
Patrick Thor
Sie waren Humanisten
Expertokratische Aushöhlung: Michel Houellebecqs
 
Elias Kreuzmair
Candy Says
Expertisen über das Andere und das Eigene: Thomas
 
Ann-Charlotte Günzel
Information Is Power
Wissensutopie Internet: Aaron Swartz’ The Info
 
Julia Roth
Umkämpfte Demokratie
Die Anstrengung lohnt sich: Wendy Browns
 
Kerstin Carlstedt
Unwürdige Performance
Hybris: Die Stunde der Dilettanten von Thomas
 
Anna-Catharina Gebbers
Glühende Bekenntnisse
Provokation der Wahrheit: Künstlermanifeste


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