Das Online-Magazin zur Zeitschrift | HALBJAHRESMAGAZIN polar






polar #17: Schuld und Schulden




EDITORIAL

 
Peter Siller/Bertram Lomfeld
Editorial



HALTUNG

 
Mark Schieritz
Verschuldet Euch!
Schulden als Grundlage der modernen Welt
 
Robert Misik
Inflation
Ein Problem, das wir uns wünschen sollten
 
Gerhard Schick
Umschuldung oder Umverteilung
Plädoyer für einen geordneten Abbau der hohen Gesamtverschuldung
 
Simon Derpmann
Es ist was es ist
Geld als soziale Relation
 
Bertram Lomfeld
Schulden ohne Schuld
Insolvenz als Grenze der Finanzmoral
 
Christian Kopf
Mit Schulden handeln
Ein Fondsmanager sucht nach Alternativen zur Anleihe
 
Frieder Vogelmann
Wir Seelenmacher
»Unternehmensverantwortung« mit Graeber und Nietzsche
 
Alessandro Somma
Hedonismus und Askese
Paradoxien der Schuldenwirtschaft
 
Mark Schieritz/Michael Miebach/Florian Kern/Philipp Wahnschaffe
Ist es links?>Schuldenbremse<



HAFTUNG

 
Interview Joseph Vogl
»Schulden sind ein Schöpfungsakt«
 
Stefan Gosepath
Vage Pflichten
Was schulden wir zukünftigen Generationen?
 
Daniel Markovits
Leistungsgesellschaft und ungleiche Verteilung
Ein Bericht aus den USA
 
 

Arnd Pollmann

Schuld ohne Sühne

Woody Allen, Jeremy Bentham und NSA-Skandal


Auf der kubanischen Isla de la Juventud steht die Ruine eines Gefängnisses, das im Jahre 1928 erbaut worden ist. Es handelt sich um ein Ensemble kreisrunder Bauten, die jeweils aus fünf Stockwerken und insgesamt 465 Zellen bestehen. Das Geheimnis dieses Gefängnis offenbart sich erst dann, wenn man ins Innere gelangt und als Häftling in einer dieser Zellen sein Dasein fristet. Von einem mittig errichteten Wachturm aus, den die Wärter über einen unterirdischen Gang betraten, konnten alle hell erleuchteten Zellen rund um die Uhr eingesehen werden. Die Wärter selbst waren wegen des Gegenlichtes unsichtbar. Man versetze sich für einen Moment in die Lage der Häftlinge: Sie müssen ununterbrochen damit rechnen, beobachtet zu werden, beim Auf- und Abgehen, auf der Toilette, beim Schlafen. Aber sie wissen nie genau, ob Sie tatsächlich beobachtet werden. Aus Sicht der Gefängnisverwaltung ist das ungeheuer effizient. Selbst wenn niemand im Turm wäre, würden die Gefangenen denken, dass dort doch jemand steht. Aber was macht das mit den Häftlingen? Und wer, bitte schön, kommt auf die perfide Idee, ein derart unmenschliches Gefängnis zu bauen?

Verbrechen und andere Kleinigkeiten

Der Regisseur Woody Allen ist ein Kenner der antiken Tragödie. In vielen seiner Filme wird auf das antike Drama tragischer Helden angespielt, die »schuldlos schuldig« werden, indem sie gerade dadurch, dass sie ein Unheil zu verhindern suchten die Katastrophe allererst in Gang setzen. Es ist geradezu verrückt, fast kurios, denn je mehr sie der Schuld entgehen wollen, umso tiefer verstricken sie sich in Schuld. Allerdings setzt Woody Allen diese tragischen Schicksale meist in Form der Komödie in Szene, wobei er den theatralischen Zusammenhang zwischen Tragödien und Komödien in seinem bitteren Lustspiel »Verbrechen und andere Kleinigkeiten« auf eine aufschlussreiche mathematische Gleichung bringt: »Komödie, das ist gleich Tragödie plus Zeit«. Blickt man mit etwas zeitlichem Abstand auf die Tragödien des Lebens, so mögen einem diese Tragödien tatsächlich verrückt, ja, geradezu unterhaltsam vorkommen. Wenn erst einmal etwas Gras über die Sache gewachsen ist, kann man selbst über die schlimmste Geschichte lachen - falls es nicht die eigene ist. Man lacht dann im Grunde nicht trotz der Tragik der Geschichte, sondern über diese Tragik. [...]


 
Susanne Beck
Höchststrafe: Shut-Down?
Über Schuld beim Einsatz elektronischer Agenten
 
Dorothea Wehrmann
Empowerment durch Schulden?
Mikrokredite als »Wundermittel« gegen Armut im globalen Süden
 
Bernd Stegemann
Ein Übermaß an schönen Seelen
Die Schulden des Theaters
 
Susann Neuenfeldt/Simon Strick
Hallo Karthago/Hallo Rom: >Krasser Traum<
 
Susann Neuenfeldt/Simon Strick
Hallo Karthago/Hallo Rom: >Abrechnen können wir danach<
 
Johanna-Charlotte Horst
Mein halbes Jahr: >Literatur<
Georges Perec – Gustav Flaubert – Walter Benjamin
 
Johannes von Weizsäcker
Mein halbes Jahr: >Musik<
Crass – Matmos – The Soft Pink Truth – Pet Shop Boys – Kid Koala
 
Matthias Dell
Mein halbes Jahr: >Film<
Polizeiruf Magdeburg – Umsonst – The Unknown Known



HEU

 
Christina von Braun
Ein Brunnen voller Blut
Die theologische Dimension des Geldes
 
Dieter Verbeck
Was ist Geld?
Arten, Bedeutung, Entstehung
 
Ulf Schmidt
Moneytalk
Letzte Szene aus »Schuld und Scheine«
 
Ina Kerner
Leben im Kapitalismus: >Knax und Schland<
 
Martin Saar
Bildpolitik: >Schuldenuhr<



SCHÖNHEITEN

 
Thomas Biebricher
Eigentümliche Legierung
Von Ebeneezer Scrooge bis Dagobert Duck: Margaret Atwoods Payback
 
Kerstin Carlstedt
Auch nicht glücklicher
Wir wollen, was ihr habt: John Lanchesters Gesellschaftsroman Kapital
 
Christoph Raiser
Nimm es nicht persönlich
Ohne Schuld kein Staat: John le Carrés Dame, König, As, Spion
 
Anna-Chatarina Gebbers
Unzurechenbar
Politiken des Displays: Mariana Castillo Deball im Hamburger Bahnhof
 
Judith Karcher
Die eigene Blödheit
Von der Angst, etwas zu verpassen: Rainald Goetz’ Johann Holtrop
 
Julia Roth
Verwobene Geschichten
Der orientalisierte »Andere«: Zum Sammelband Jenseits des Eurozentrismus
 
Ulrich Raiser
Das eigene Gesetz
Sozialität der Schuld: Dostojewskis Schuld und Sühne
 
Tilman Vogt
Kassensturz
Protestantische Moralökonomie: Gottfried Kellers Der Grüne Heinrich
 
Philipp Wahnschaffe
Unsagbare Qualen
Größte Empathie: Svetlana Alexijewitschs Collage Secondhand-Zeit
 
Patrick Thor
Bewusst blind
Warum ich schuldig wurde, weiß ich nicht mehr: Pier Paolo Pasolinis Edipo Re. Bett der Gewalt


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