Das Online-Magazin zur Zeitschrift | HALBJAHRESMAGAZIN polar






polar #17: Schuld und Schulden




EDITORIAL

 
Peter Siller/Bertram Lomfeld
Editorial



HALTUNG

 
Mark Schieritz
Verschuldet Euch!
Schulden als Grundlage der modernen Welt
 
Robert Misik
Inflation
Ein Problem, das wir uns wünschen sollten
 
Gerhard Schick
Umschuldung oder Umverteilung
Plädoyer für einen geordneten Abbau der hohen Gesamtverschuldung
 
Simon Derpmann
Es ist was es ist
Geld als soziale Relation
 
Bertram Lomfeld
Schulden ohne Schuld
Insolvenz als Grenze der Finanzmoral
 
Christian Kopf
Mit Schulden handeln
Ein Fondsmanager sucht nach Alternativen zur Anleihe
 
Frieder Vogelmann
Wir Seelenmacher
»Unternehmensverantwortung« mit Graeber und Nietzsche
 
Alessandro Somma
Hedonismus und Askese
Paradoxien der Schuldenwirtschaft
 
Mark Schieritz/Michael Miebach/Florian Kern/Philipp Wahnschaffe
Ist es links?>Schuldenbremse<



HAFTUNG

 
Interview Joseph Vogl
»Schulden sind ein Schöpfungsakt«
 
Stefan Gosepath
Vage Pflichten
Was schulden wir zukünftigen Generationen?
 
 

Daniel Markovits

Leistungsgesellschaft und ungleiche Verteilung

Ein Bericht aus den USA


Was schulden die Reichen der Gesellschaft? Und warum? Die Konzentration von Reichtum in wenigen Händen schreitet in der US-amerikanischen Gesellschaft beständig fort. Die emanzipatorischen Anfänge des Leistungsgedankens haben sich in der entstandenen »Meritokratie« längst in ihr Gegenteil verkehrt. Hinter der moralischen Maske besonderer Fähigkeiten und Anstrengungen entsteht eine neue akademische Leistungs-Aristokratie.

2007, am Vorabend der jüngsten Finanzkrise, verteilte sich fast ein Viertel des nationalen Gesamteinkommens auf das reichste Prozent der US-amerikanischen Haushalte. Eine vergleichbar extreme Konzentration an der Spitze der Vermögensverteilung hatte es seit den späten 1920er Jahren - dem Auftakt der Weltwirtschaftskrise - nicht mehr gegeben. Die Einkommensverteilung der Vereinigten Staaten entwickelt sich nach einem fraktalen Muster. Die Einkommen jeder immer enger werdenden wirtschaftlichen Elite konzentrieren sich wieder auf die Elite der Elite: Das reichste Zehntel erhält die Hälfte des Einkommens des reichsten Prozents und das reichste Hundertstel des reichsten Prozents wiederum die Hälfte des Einkommens des reichsten Zehntels. An der obersten Spitze der Verteilung verzeichnen die 400 reichsten Haushalte mit 140 Milliarden Dollar oder zwei Prozent des Gesamteinkommens eben so hohe Einnahmen wie die 300.000 (immer noch sehr reichen) Haushalte des unteren Viertels des reichsten Prozents.

Keine vernünftige Person kann diese extreme Konzentration von Einkommen begrüßen. Aber es ist schwierig, zu sagen, warum die heutige Verteilung ökonomischer Vorteile in den USA falsch ist; und es ist noch schwieriger vorzuschlagen, wie sie richtig zu gestalten wäre. Moralische Argumente, die über Generationen Bestand hatten, brechen plötzlich weg. Struktur und Gründe der wirtschaftlichen Ungleichheit in den USA immunisieren die ungleiche Verteilung etwa weitgehend gegen Argumente, die dem Einzelnen kraft seiner Menschlichkeit oder seiner Befolgung von gesellschaftlichen Regeln ein unantastbares Minimum zusprechen. Aus ähnlichen Gründen widersetzt sich die neue wirtschaftliche Ungleichheit politischen Umverteilungsprogrammen, wie dem früher so erfolgreichen »War On Poverty«. Oft herangezogene Vergleiche zwischen der Weltwirtschaftskrise 1929 und der großen Rezession der Jahrtausendwende verwirren mehr, als sie klären. Um die neue Lage zu verstehen, dürfen wir nicht in die Vergangenheit blicken, sondern müssen neue Ideen entwickeln. [...]


 
Arnd Pollmann
Schuld ohne Sühne
Woody Allen, Jeremy Bentham und NSA-Skandal
 
Susanne Beck
Höchststrafe: Shut-Down?
Über Schuld beim Einsatz elektronischer Agenten
 
Dorothea Wehrmann
Empowerment durch Schulden?
Mikrokredite als »Wundermittel« gegen Armut im globalen Süden
 
Bernd Stegemann
Ein Übermaß an schönen Seelen
Die Schulden des Theaters
 
Susann Neuenfeldt/Simon Strick
Hallo Karthago/Hallo Rom: >Krasser Traum<
 
Susann Neuenfeldt/Simon Strick
Hallo Karthago/Hallo Rom: >Abrechnen können wir danach<
 
Johanna-Charlotte Horst
Mein halbes Jahr: >Literatur<
Georges Perec – Gustav Flaubert – Walter Benjamin
 
Johannes von Weizsäcker
Mein halbes Jahr: >Musik<
Crass – Matmos – The Soft Pink Truth – Pet Shop Boys – Kid Koala
 
Matthias Dell
Mein halbes Jahr: >Film<
Polizeiruf Magdeburg – Umsonst – The Unknown Known



HEU

 
Christina von Braun
Ein Brunnen voller Blut
Die theologische Dimension des Geldes
 
Dieter Verbeck
Was ist Geld?
Arten, Bedeutung, Entstehung
 
Ulf Schmidt
Moneytalk
Letzte Szene aus »Schuld und Scheine«
 
Ina Kerner
Leben im Kapitalismus: >Knax und Schland<
 
Martin Saar
Bildpolitik: >Schuldenuhr<



SCHÖNHEITEN

 
Thomas Biebricher
Eigentümliche Legierung
Von Ebeneezer Scrooge bis Dagobert Duck: Margaret Atwoods Payback
 
Kerstin Carlstedt
Auch nicht glücklicher
Wir wollen, was ihr habt: John Lanchesters Gesellschaftsroman Kapital
 
Christoph Raiser
Nimm es nicht persönlich
Ohne Schuld kein Staat: John le Carrés Dame, König, As, Spion
 
Anna-Chatarina Gebbers
Unzurechenbar
Politiken des Displays: Mariana Castillo Deball im Hamburger Bahnhof
 
Judith Karcher
Die eigene Blödheit
Von der Angst, etwas zu verpassen: Rainald Goetz’ Johann Holtrop
 
Julia Roth
Verwobene Geschichten
Der orientalisierte »Andere«: Zum Sammelband Jenseits des Eurozentrismus
 
Ulrich Raiser
Das eigene Gesetz
Sozialität der Schuld: Dostojewskis Schuld und Sühne
 
Tilman Vogt
Kassensturz
Protestantische Moralökonomie: Gottfried Kellers Der Grüne Heinrich
 
Philipp Wahnschaffe
Unsagbare Qualen
Größte Empathie: Svetlana Alexijewitschs Collage Secondhand-Zeit
 
Patrick Thor
Bewusst blind
Warum ich schuldig wurde, weiß ich nicht mehr: Pier Paolo Pasolinis Edipo Re. Bett der Gewalt


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