Das Online-Magazin zur Zeitschrift | HALBJAHRESMAGAZIN polar






polar #17: Schuld und Schulden




EDITORIAL

 
Peter Siller/Bertram Lomfeld
Editorial



HALTUNG

 
Mark Schieritz
Verschuldet Euch!
Schulden als Grundlage der modernen Welt
 
Robert Misik
Inflation
Ein Problem, das wir uns wünschen sollten
 
Gerhard Schick
Umschuldung oder Umverteilung
Plädoyer für einen geordneten Abbau der hohen Gesamtverschuldung
 
Simon Derpmann
Es ist was es ist
Geld als soziale Relation
 
Bertram Lomfeld
Schulden ohne Schuld
Insolvenz als Grenze der Finanzmoral
 
Christian Kopf
Mit Schulden handeln
Ein Fondsmanager sucht nach Alternativen zur Anleihe
 
Frieder Vogelmann
Wir Seelenmacher
»Unternehmensverantwortung« mit Graeber und Nietzsche
 
Alessandro Somma
Hedonismus und Askese
Paradoxien der Schuldenwirtschaft
 
Mark Schieritz/Michael Miebach/Florian Kern/Philipp Wahnschaffe
Ist es links?>Schuldenbremse<



HAFTUNG

 
Interview Joseph Vogl
»Schulden sind ein Schöpfungsakt«
 
 

Stefan Gosepath

Vage Pflichten

Was schulden wir zukünftigen Generationen?


Gerechtigkeit ist immer »in«, ein geradezu zeitloses Thema. Klagen über empfundene Ungerechtigkeit verstummen wahrscheinlich nie. Über Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit werden die meisten gesellschaftlichen Auseinandersetzungen ausgetragen. Die Gerechtigkeit zwischen den Generationen ist eine seit Menschen Gedenken oft eher implizit praktizierte moralische Praxis - sei es bei traditionellem nachhaltigen Wirtschaften, bei der Vererbung oder bei der Alterssicherung im Kreise der Familie. Bisher ist die Lage zukünftiger Generationen oft durch den wirtschaftlichen, technischen, medizinischen und politisch-sozialen Fortschritt verbessert worden. In den letzten Jahren jedoch steht die »Generationengerechtigkeit« immer mehr im Zentrum öffentlicher Debatten. Eine wissenschaftliche Reflexion zu diesem Thema gibt es ebenfalls erst seit relativ kurzer Zeit.

Die politische wie wissenschaftliche Aktualität hat ihre Ursachen in den gegenwärtigen neuen Herausforderungen. Die Menschheit verfügt heute über mehr wissenschaftliche und technische Möglichkeiten als jemals zuvor, und sie weiß auch - zumindest prinzipiell - um die Gefahren des Einsatzes der Technik. So steht die zukünftige Existenz der Menschheit als gesamte Gattung durch das atomare, biologische und konventionelle Waffenarsenal, die möglichen Folgen der Nutzung der Atomenergie, die ökologischen Folgen des Klimawandels und von Schadstoffen zur Disposition.

Unter dem Gesichtspunkt der Gerechtigkeit zwischen den Generationen werden zurzeit verschiedene gesellschaftspolitische Themen kontrovers diskutiert. In den öffentlichen Debatten in Deutschland geht es unter diesem Stichwort meist um finanzielle Probleme zwischen den Generationen. Welche Auswirkungen hat der demografische Wandel? Wie werden Alt und Jung zusammenleben, wenn Deutschland in die Jahre kommt? Wie meistern wir die ökologischen, ökonomischen, sozialen und kulturellen Herausforderungen, die sich daraus ergeben? So wird um die Finanzierung des heutigen Konsums durch finanzielle Schulden gestritten, die die gegenwärtige Generation den zukünftigen Bürgerinnen und Bürgern - »unverantwortlicherweise« wie viele meinen - hinterlässt. Die Zukunft des Sozialstaates, insbesondere der Rentenversicherung, gerade angesichts der Probleme, die der demographische Wandel mit sich bringen wird, bedarf des rechten, zukunftfähigen Verhältnisses zwischen dem arbeitenden und dem sich im Ruhestand befindenden Bevölkerungsanteil. Für den sozialen Bereich ist eine generationengerechte Ausgestaltung der sozialen Sicherungssysteme von herausragender Bedeutung, einschließlich der Frage, was der Staat garantieren und was wie etwa in Familien oder sozialen Netzwerken generationengerecht organisiert werden kann. Das neue, bis vor kurzem kaum wahrgenommene Problem des Klimawandels wirft auch die Frage nach den Folgen des Klimawandels auf, die vor allem zukünftige Generationen tragen müssen. [...]


 
Daniel Markovits
Leistungsgesellschaft und ungleiche Verteilung
Ein Bericht aus den USA
 
Arnd Pollmann
Schuld ohne Sühne
Woody Allen, Jeremy Bentham und NSA-Skandal
 
Susanne Beck
Höchststrafe: Shut-Down?
Über Schuld beim Einsatz elektronischer Agenten
 
Dorothea Wehrmann
Empowerment durch Schulden?
Mikrokredite als »Wundermittel« gegen Armut im globalen Süden
 
Bernd Stegemann
Ein Übermaß an schönen Seelen
Die Schulden des Theaters
 
Susann Neuenfeldt/Simon Strick
Hallo Karthago/Hallo Rom: >Krasser Traum<
 
Susann Neuenfeldt/Simon Strick
Hallo Karthago/Hallo Rom: >Abrechnen können wir danach<
 
Johanna-Charlotte Horst
Mein halbes Jahr: >Literatur<
Georges Perec – Gustav Flaubert – Walter Benjamin
 
Johannes von Weizsäcker
Mein halbes Jahr: >Musik<
Crass – Matmos – The Soft Pink Truth – Pet Shop Boys – Kid Koala
 
Matthias Dell
Mein halbes Jahr: >Film<
Polizeiruf Magdeburg – Umsonst – The Unknown Known



HEU

 
Christina von Braun
Ein Brunnen voller Blut
Die theologische Dimension des Geldes
 
Dieter Verbeck
Was ist Geld?
Arten, Bedeutung, Entstehung
 
Ulf Schmidt
Moneytalk
Letzte Szene aus »Schuld und Scheine«
 
Ina Kerner
Leben im Kapitalismus: >Knax und Schland<
 
Martin Saar
Bildpolitik: >Schuldenuhr<



SCHÖNHEITEN

 
Thomas Biebricher
Eigentümliche Legierung
Von Ebeneezer Scrooge bis Dagobert Duck: Margaret Atwoods Payback
 
Kerstin Carlstedt
Auch nicht glücklicher
Wir wollen, was ihr habt: John Lanchesters Gesellschaftsroman Kapital
 
Christoph Raiser
Nimm es nicht persönlich
Ohne Schuld kein Staat: John le Carrés Dame, König, As, Spion
 
Anna-Chatarina Gebbers
Unzurechenbar
Politiken des Displays: Mariana Castillo Deball im Hamburger Bahnhof
 
Judith Karcher
Die eigene Blödheit
Von der Angst, etwas zu verpassen: Rainald Goetz’ Johann Holtrop
 
Julia Roth
Verwobene Geschichten
Der orientalisierte »Andere«: Zum Sammelband Jenseits des Eurozentrismus
 
Ulrich Raiser
Das eigene Gesetz
Sozialität der Schuld: Dostojewskis Schuld und Sühne
 
Tilman Vogt
Kassensturz
Protestantische Moralökonomie: Gottfried Kellers Der Grüne Heinrich
 
Philipp Wahnschaffe
Unsagbare Qualen
Größte Empathie: Svetlana Alexijewitschs Collage Secondhand-Zeit
 
Patrick Thor
Bewusst blind
Warum ich schuldig wurde, weiß ich nicht mehr: Pier Paolo Pasolinis Edipo Re. Bett der Gewalt


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