Das Online-Magazin zur Zeitschrift | HALBJAHRESMAGAZIN polar






polar #21: Gegen die Angst




EDITORIAL

 
Peter Siller/Bertram Lomfeld
Editorial


ZORN

 
Heinz Bude
Woher der Zorn?
Die »Abgehängten« und »Verbitterten« in der Gegenwartsgesellschaft
 
Fabian Gülzau
Unter Stress
Die Bildungspanik der Mittelschichten
 
Micha Brumlik
Identitäre Bezüge
Dugin, Evola und immer wieder Heidegger
 
 

Karsten Rudolph

Angst der/vor dem Bürger

Eine kritische Bilanz der Bürgerbeteiligung für die repräsentative Demokratie


Abseits der klassischen Institutionen der repräsentativen Demokratie hat sich längst ein weites Feld politischer Partizipation eröffnet, in dem sich zehntausende von Bürgern engagieren, neue Formen der Bürgerbeteiligung erobert und erprobt haben. Aus diesem Engagement sprechen allerdings nicht selten ein tiefes Misstrauen gegenüber der etablierten Politik und das Bestreben, das Handeln von Parteien, die Beschlüsse von Parlamenten und Stadträten und die Ergebnisse des Wählerwillens einzuhegen. In anderen Worten: Den meisten Formen politischen bürgerschaftlichen Engagements liegt der Versuch zugrunde, die Vox populi einerseits einzuhegen und andererseits zu veredeln. In genau diese Richtung zielt der Vorschlag von Patrizia Nanz und Claus Leggewie in ihrem neuen Buch Die Konsultative. Mehr Demokratie durch Bürgerbeteiligung (2016), ein System von Bürgerräten (»Konsultativen«) aufzubauen, durch das die repräsentative Demokratie ergänzt und deswegen gestärkt werden soll. Doch die beiden beiratserfahrenen Politikwissenschaftler gehen noch einen Schritt weiter. Sie möchten mit ihrem Modell die wachsenden populistischen Protestbewegungen gleich »mitzivilisieren«, um so das gesamte demokratische System über die obligatorische Auseinandersetzung mit drängenden Zukunftsfragen zu revitalisieren. Kann das gelingen?

Die legitimatorischen Probleme der Repräsentanz
Um es vorwegzunehmen: Angesichts derartiger Ambitionen ist der Vorschlag im Großen wie im Kleinen zum Scheitern verurteilt. Dies zeigt sich bereits beim legitimatorischen Problem der Repräsentanz, das sich natürlich auch bei der Auswahl der »Konsultativbürger« stellt, und durch eine »qualifizierte Zufallsauswahl« gelöst werden soll. Tatsächlich handelt es sich dabei um eine Form gelenkter Bürgerbeteiligung, die eben den reinen Zufall ausschließen möchte, um rund 20 halbwegs sachkundige, partizipationsorientierte und am Allgemeinwohl orientierte Bürger in einen Zukunftsrat zu hieven, der einem in gleicher, geheimer und freier Wahl zustande gekommenen Stadtrat zur Seite gestellt werden soll. Insoweit vertreten auch die Teilnehmer eines Zukunftsrats weder die gesamte Bürgerschaft einer Stadt, noch stellen sie sie dar. Darüber hinaus dürften sich die Anhänger der neuen globalisierungs- und kapitalismuskritischen Bewegungen einer derartigen, erheblich bürokratisierten Form der Bürgerbeteiligung kaum unterwerfen. Der linkspopulistische Bürgeraktivismus kann durch parastaatliche Zukunftsräte somit nicht aufgefangen werden. [...]


 
Julian Krüper
Rechtsrisiko Angst
Gefahr, Risiko und Restrisiko als hochpolitische Kategorien
 
Lars Koch
Desiring Walls
Über das kollektive Imaginäre einer Architektur der Angst
 
Stefan Huster/Arnd Pollmann/Ulrike Meyer/Peter Siller
Ist es links? >Glück<
 
Sabine Bode
Wie lang sind die Schatten?
Was Generationen erben können
 
Maja Bächler
Wie German ist die Angst?
Entstehungsgründe einer schillernden Redewendung
 
Susann Neuenfeldt/Simon Strick
Hallo Rom/Hallo Karthago: >In erschöpfter Umarmung<



ZUVERSICHT

 
Roland Schaeffer
Gegen eine Politik der Angst
20 Thesen zu einer menschenrechtsorientierten Sicherheitspolitik
 
Sabine Rennefanz
Links liegen gelassen
Die stille Wut der Wendegenaration
 
Frank Adloff, Sérgio Costa, Ina Kerner und Andrea Vetter
Eine gesellige Gesellschaft
Für eine neue Politik der Konvivialität
 
Christian Bommarius
Innere Sicherheit?
Das Recht im Griff der Angstpolitik
 
Simon Strick
Backlash
Trump und das Lachen der Angst
 
Isabella Helmreich
Zum Beispiel Freundschaft
Zur Stärkung unserer Widerstandskräfte
 
Deniz Sertcan
Der Fremde in mir
Von der postkonventionellen Abspaltung der eigenen Ängste
 
Lars Bullmann
Mein halbes Jahr: >Literatur<
Emil Angehrn – Klaus Heinrich – Franz Kafka – Johann Peter Hebel
 
Johannes von Weizsäcker
Mein halbes Jahr: >Musik<
Herbert Grönemeyer – Human Abfall
 
Matthias Dell
Mein halbes jahr: >Film<
Vor der Morgenröte – Casualties of War – Demain
 
Peter Siller
Mein halbes jahr: >Comic<



ZOMBIE

 
Daniel W. Drezner
Untote Tropen
Die Zombieapokalypse im öffentlichen Diskurs der USA
 
Hito Steyerl
Den Verstand fest verschlossen
Kunst im Zeitalter der Angst
 
Ina Kerner
Leben im Kapitalismus: >Gartenstadt im Krisengebiet<



SCHÖNHEITEN

 
Luisa Banki
Innen vor Außen
Psychologie und Bürgertum: Stefan Zweigs Novelle Angst
 
Ann-Charlotte Günzel
Beschwörungsformeln
Aufgeklebt: Mikael Mikaels Parole Show you are not afraid
 
Birthe Mühlhoff
Schädelbohrungen
Zwischen Hardware und Hard Facts: Die Serien Sense8 und Wayward Pines
 
Franziska Humphreys
Be Prepared
Psychose oder Sechster Sinn: Jeff Nichols Spiel mit der Angst in Take Shelter
 
Johannes Kleinbeck
Was heißt eigentlich Fliegen?
Über dem Abgrund: Werner Herzogs Die große Ekstase des Bildschnitzers Steiner
 
Elias Kreuzmair
Schmetterling, Bär und Känguruh
Produktive Angst: Blumfelds Testament der Angst
 
Christian Meskó
Vorstadthölle
Nazis in der heilen Welt: Philip K. Dicks The Man in the High Castle
 
Ulrike Meyer
(Un-)Tiefen der Angst
Schwarz-Rot-Goldenes Spiegelkabinett: Falk Richters FEAR an der Schaubühne Berlin
 
Christoph Raiser
Bis hierher
Ästhetik des Aufpralls: Mathieu Kassovitz’ Meisterwerk La Haine
 
Patrick Thor
Vor der Weltverschwörung
Die Verdünnisierung aller Probleme: Christian Krachts und Ingo Niermanns Metan


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