Das Online-Magazin zur Zeitschrift | HALBJAHRESMAGAZIN polar






polar #12: Eine für alle




EDITORIAL

 
Editorial
Peter Siller, Bertram Keller



VERSAMMLUNG

 
Martina Löw
»Jede Stadt ist ein Seelenzustand«
Über städtische Vergesellschaftung und Identitätsanforderung
 
Daniel A. Bell/Avner de-Shalit
Civicism
Plädoyer für ein Stadt-Ethos zwischen Kosmopolitismus und urbaner Partikularität
 
Benjamin Steiner
Zeitschichten
Historische Überlegungen zur Zukunft von urbanen Räumen
 
Christoph Twickel/Arnd Pollmann/Andrej Holm/Peter Siller
Ist es links?: >Gegen Gentrifizierung<
 
Friedrich von Borries
Paradoxale Mobilität
Raumeroberung und Raumkontrolle durch Mobilität
 
Walter Siebel
Ordnung und Chaos
Bedingungen der urbanen Stadt
 
Ludger Schwarte
Die Stadt, eine Volksversammlung
Architektonische Bedingungen freien Handelns



ZERSPLITTERUNG

 
Loïc Wacquant
Ethnische Schließung
Eine soziologische Spezifikation des Ghettos
 
Interview Geoff Dench
»Revival der Community«
 
Andreas Willisch
Kleine Stadt, große Häuser
Von der Industriestadt zur Transfergesellschaft
 
Nikita Alexeev
Nach Moskau
Russland ist eine Chimäre, Moskau deren Gesicht
 
Levente Polyák
Einheitliche Zersplitterung
Finden und Erinnern in den verworrenen Städten Mitteleuropas
 
 

Bianca Tavolari

Leerstand

Zu den aktuellen sozialen Kämpfen um die Stadt in São Paulo


Mitte Dezember 2012 haben mehr als 2500 Demonstranten zeitgleich elf leerstehende private und öffentliche Gebäude in der Innenstadt São Paulos unter Parolen wie »Wenn Wohnen ein Vorrecht ist, dann ist auch Besetzen ein Recht« besetzt. Es war die größte städtische Protestaktion der Geschichte São Paulos, mit mehr als 10 (und im Großraum mehr als 20) Millionen Einwohnern die größte Stadt Südamerikas. Besetzungstaktiken wie diese gehören, wenn auch in kleinerem Maßstab, schon seit den 1990er Jahren zur Alltagsdynamik der Stadt, als sich die räumliche Verschiebung des Zentrums und die entsprechende Verlagerung eines Großteils der Investitionen vom historischen Stadtzentrum in die Bezirke in der sogenannten Südwestrichtung der Stadt abzuzeichnen begann. Die Zahlen sind aussagekräftig: Die letzte Volkszählung aus dem Jahr 2000 registriert 41085 leerstehende Wohnungen allein im alten Stadtzentrum, die zum Objekt der Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Akteuren geworden sind.

Obwohl die Zahlen über die Wohnungssituation in São Paulo für sich stehen, reichen sie aber nicht hin, um diese sozialen Kämpfe in ihrer Komplexität zu begreifen, insbesondere wenn der breitere Kontext dieser Protestbewegungen berücksichtigt wird. Auf den ersten Blick erscheint es seltsam, dass die Ansprüche auf Wohnraum – und das bedeutet auch: die Forderungen nach konkreten Möglichkeiten, die Stadt in ihrer Fülle zu erleben – gerade zu einer Zeit stärker geäußert werden, in der Brasilien durch eine Phase wirtschaftlichen Aufschwungs geht und in der die Bundesregierung das erste soziale Wohnungsbauprogramm für einkommensschwache Bevölkerungsgruppen seit Jahren durchsetzt. Im Gegensatz zu anderen Ländern, in denen squatting fast als eine jugendliche Mode betrachtet wird, sind die Demonstrationen in São Paulo und in anderen Großstädten Brasiliens durch eine Mischung aus Not und politischem Bewusstsein geleitet, die Obdachlose, Arbeitslose, prekäre ArbeiterInnen und Bewohner der Elendsquartiere, favelas und Außenbezirke aller Altersgruppen zusammenbringt. [...]


 
Nina Brodowski
Provincializing Humboldt
Der Diskurs um den Berliner Schlossplatz als gesellschaftspolitischer Gradmesser
 
Ina Kerner
Leben im Kapitalismus: >Wie Kassel in den 80ern<
 
Arno Brandlhuber/Anna-Catharina Gebbers
Collage City
Von Ordos nach Berlin: Die Stadt als Fragment
 
Vera Tollmann
Bildschirm-Realität
Über den zentralen Platz in der Planstadt Ordos, China
 
Johannes von Weizsäcker
Mein halbes Jahr: >Musik<
Sebadoh – Pink Mountain Tops – Nissenenmondai – Chris Corsano
 
Matthias Dell
Mein halbes Jahr: >Film<
Das Leben ist eine Baustelle – Männerherzen 1 & 2 – Fenster zum Sommer – What a Man – Rubbeldiekatz



UMGEHUNG

 
Anna Sailer/Anna-Catharina Gebbers/Judith Karcher/ Peter Siller
>Literatur spezial: Stadt, Land, Flucht<
Josef Bierbichler – Jan Brandt – Katharina Hacker – Peter Kurzeck – Andreas Maier – Moritz von Uslar
 
Füsun Türetken
Fluchtlinien entlang 9/11
Episoden I bis III
 
Franziska Werner/ Mark Thomann
Berlin del Mar
Rückblick auf eine künstlerische Stadtintervention
 
Susann Neuenfeldt/Simon Strick
Hallo Karthago/Hallo Rom: >Das Versprechen<
 
Martin Saar
Bildpolitik: >Besetzung<



SCHÖNHEITEN

 
Christian Frühm
American Dystopia
Goddamn City: Dämonische Städte in der amerikanischen Literatur
 
Anna-Catharina Gebbers
Tonspuren
Gegen das Vergessen: Memory Loops von Michaela Melián
 
Leo Lencsés
Nackte Stadt
Schlecht ausgeleuchtet: Christopher Wools Künstlerbuch East Broadway Breakdown
 
Jan Engelmann
Gangster’s Paradise
Raumausstatter im großen Haus: Die TV-Serie The Wire
 
Christoph Raiser
Reizüberflutung
Trost für die Unverstandenen: Georg Simmels Die Großstädte und das Geistesleben
 
Julia Roth
Kein Platz
Stadt als Spiegel: Tatjana Turanskyjs Eine flexible Frau
 
Jörg Schaub
Schön und unverzichtbar
Ewige Wiederkehr des Allerneusten: Walter Benjamins Passagen-Werk
 
Franziska Humphreys-Schottmann
Raumschlacht
Die Stadt der Städte: Fritz Langs architektonische Utopien in Metropolis
 
Anna Sailer
Santa Monica Pier
Erinnerungsraum Los Angeles und Berlin: Christa Wolfs Stadt der Engel oder The overcoat of Dr. Freud
 
Kerstin Carlstedt
Müll und Menschen
12 Schicksale: Megacities – Michael Glawoggers Geschichten vom Überleben


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