Das Online-Magazin zur Zeitschrift | HALBJAHRESMAGAZIN polar






polar #12: Eine für alle




EDITORIAL

 
Editorial
Peter Siller, Bertram Keller



VERSAMMLUNG

 
Martina Löw
»Jede Stadt ist ein Seelenzustand«
Über städtische Vergesellschaftung und Identitätsanforderung
 
Daniel A. Bell/Avner de-Shalit
Civicism
Plädoyer für ein Stadt-Ethos zwischen Kosmopolitismus und urbaner Partikularität
 
Benjamin Steiner
Zeitschichten
Historische Überlegungen zur Zukunft von urbanen Räumen
 
Christoph Twickel/Arnd Pollmann/Andrej Holm/Peter Siller
Ist es links?: >Gegen Gentrifizierung<
 
Friedrich von Borries
Paradoxale Mobilität
Raumeroberung und Raumkontrolle durch Mobilität
 
Walter Siebel
Ordnung und Chaos
Bedingungen der urbanen Stadt
 
Ludger Schwarte
Die Stadt, eine Volksversammlung
Architektonische Bedingungen freien Handelns



ZERSPLITTERUNG

 

Loïc Wacquant

Ethnische Schließung

Eine soziologische Spezifikation des Ghettos


Es ist ein Paradox, dass die Sozialwissenschaften umfassenden Gebrauch vom Begriff des »Ghetto« als rein deskriptiver Bezeichnung gemacht haben, es aber dennoch versäumt haben, ein robustes analytisches Konzept des Ghettos zu entwickeln. In der Historiographie der jüdischen Diaspora in der frühen Neuzeit und unter der Nazi-Herrschaft, in der Soziologie der afro-amerikanischen Erfahrungswelt in den Großstädten des 20. Jahrhunderts und in der Anthropologie der aus ethnischen Gründen Ausgestoßenen in Ostasien und Afrika – seine drei herkömmlichen Anwendungsbereiche – bezeichnet der Begriff wahlweise ein abgegrenztes Stadtviertel, ein Gewebe gruppenspezifischer Institutionen und eine kulturelle und kognitive Konstellation (Werte, Denkweise oder Mentalität), die die sozial-moralische Isolierung der stigmatisierten Gruppe ebenso umfasst wie die systematische Beschneidung von Lebensraum und Lebenschancen seiner Bewohner.

Doch keine dieser Forschungsrichtungen hat sich die Mühe gemacht zu spezifizieren, was ein Ghetto als soziale Form ausmacht, welche seiner Merkmale konstitutiv und welche davon abgeleitete sind, da sie zu jeder Epoche das Laienkonzept des Ghetto, wie sie es in der untersuchten Gesellschaft vorfanden, einfach als gegeben annahmen und für ihre Forschungen verwendeten.

Eine janusköpfige Institution
Abgeleitet vom italienischen giudecca, borghetto, oder gietto (oder vom deutschen Gitter oder dem talmudisch-hebräischen get – die Etymologie ist umstritten) bezeichnete das Wort Ghetto ursprünglich die Zwangsumsiedelung von Juden in bestimmte Stadtviertel durch die politischen und religiösen Machthaber. Im mittelalterlichen Europa wurden Juden gewöhnlich bestimmte Viertel zugewiesen, in denen sie lebten, ihre eigenen Angelegenheiten regelten und nach ihren eigenen Sitten lebten. Doch zwischen dem 13. Und dem 16. Jahrhundert, im Zuge der Umbrüche, die die Kreuzzüge verursacht hatten, verwandelte sich diese Gunst langsam in Zwang. [...]


 
Interview Geoff Dench
»Revival der Community«
 
Andreas Willisch
Kleine Stadt, große Häuser
Von der Industriestadt zur Transfergesellschaft
 
Nikita Alexeev
Nach Moskau
Russland ist eine Chimäre, Moskau deren Gesicht
 
Levente Polyák
Einheitliche Zersplitterung
Finden und Erinnern in den verworrenen Städten Mitteleuropas
 
Bianca Tavolari
Leerstand
Zu den aktuellen sozialen Kämpfen um die Stadt in São Paulo
 
Nina Brodowski
Provincializing Humboldt
Der Diskurs um den Berliner Schlossplatz als gesellschaftspolitischer Gradmesser
 
Ina Kerner
Leben im Kapitalismus: >Wie Kassel in den 80ern<
 
Arno Brandlhuber/Anna-Catharina Gebbers
Collage City
Von Ordos nach Berlin: Die Stadt als Fragment
 
Vera Tollmann
Bildschirm-Realität
Über den zentralen Platz in der Planstadt Ordos, China
 
Johannes von Weizsäcker
Mein halbes Jahr: >Musik<
Sebadoh – Pink Mountain Tops – Nissenenmondai – Chris Corsano
 
Matthias Dell
Mein halbes Jahr: >Film<
Das Leben ist eine Baustelle – Männerherzen 1 & 2 – Fenster zum Sommer – What a Man – Rubbeldiekatz



UMGEHUNG

 
Anna Sailer/Anna-Catharina Gebbers/Judith Karcher/ Peter Siller
>Literatur spezial: Stadt, Land, Flucht<
Josef Bierbichler – Jan Brandt – Katharina Hacker – Peter Kurzeck – Andreas Maier – Moritz von Uslar
 
Füsun Türetken
Fluchtlinien entlang 9/11
Episoden I bis III
 
Franziska Werner/ Mark Thomann
Berlin del Mar
Rückblick auf eine künstlerische Stadtintervention
 
Susann Neuenfeldt/Simon Strick
Hallo Karthago/Hallo Rom: >Das Versprechen<
 
Martin Saar
Bildpolitik: >Besetzung<



SCHÖNHEITEN

 
Christian Frühm
American Dystopia
Goddamn City: Dämonische Städte in der amerikanischen Literatur
 
Anna-Catharina Gebbers
Tonspuren
Gegen das Vergessen: Memory Loops von Michaela Melián
 
Leo Lencsés
Nackte Stadt
Schlecht ausgeleuchtet: Christopher Wools Künstlerbuch East Broadway Breakdown
 
Jan Engelmann
Gangster’s Paradise
Raumausstatter im großen Haus: Die TV-Serie The Wire
 
Christoph Raiser
Reizüberflutung
Trost für die Unverstandenen: Georg Simmels Die Großstädte und das Geistesleben
 
Julia Roth
Kein Platz
Stadt als Spiegel: Tatjana Turanskyjs Eine flexible Frau
 
Jörg Schaub
Schön und unverzichtbar
Ewige Wiederkehr des Allerneusten: Walter Benjamins Passagen-Werk
 
Franziska Humphreys-Schottmann
Raumschlacht
Die Stadt der Städte: Fritz Langs architektonische Utopien in Metropolis
 
Anna Sailer
Santa Monica Pier
Erinnerungsraum Los Angeles und Berlin: Christa Wolfs Stadt der Engel oder The overcoat of Dr. Freud
 
Kerstin Carlstedt
Müll und Menschen
12 Schicksale: Megacities – Michael Glawoggers Geschichten vom Überleben


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