Das Online-Magazin zur Zeitschrift | HALBJAHRESMAGAZIN polar






polar #16: Kunst der Drastik




EDITORIAL

 
Peter Siller/Bertram Lomfeld
Editorial



ZEIGEN

 
Peter Siller
Politik der Drastik
30 Versuche über die Sichtbarmachung des Furchtbaren
 
Thomas Melle
Vom Krassen
Präsenz statt Referenz
 
Martin Saar
Zu viel
Drastik und Affekt
 
Esteban Sanchino Martinez
Wirklichkeitserfahrung in der Massenkultur
Drastik als moderne Erlebnisweise
 
Oliver Müller
Ontologische Verunsicherungen
Das Untote und die moderne Biomedizin
 
Carolin Emcke
Weil es sagbar ist
Haiti erzählen
 
Stefan Huster/Arnd Pollmann/ Jan Engelmann/Peter Siller
Ist es links? >Gegen Zensur<
 
Marie Schmidt
Mein halbes Jahr: >Literatur<
Arnon Grünberg – Herbert Achternbusch – Clemens J. Setz
 
 

Johannes von Weizsäcker

Mein halbes Jahr: >Musik<

Pharmakon – Clipping – Bernadette La Hengst – Opa – Heino – Deep Purple


Das richtig asoziale Sexgestammel tendiert ins Kollaborative. Was dieser Satz hier soll, erschließt sich aus den Anfangsbuchstaben seiner Wörter. In den vergangenen sechs Monaten ist mir leider kaum Musik untergekommen, die richtig asoziales, kollaboratives oder anders geartetes Sexgestammel enthielt. Gewiss gab es an sich sehr viel, denn in der Popmusik herrscht an Sexgestammel selten Mangel. Aber ich habe es verpasst (Ausnahmen unten), so wie ich eigentlich alles verpasst habe, da mich Musik nicht mehr interessiert, es sei denn, sie ist richtig krass. Allerdings habe ich die meiste richtig krasse Musik, die es auf Berlins Bühnen zu bewundern gab (zuhause Musik hören ist mir nicht krass genug), auch verpasst; warum, habe ich vergessen. Krass, oder?

Zu den krassen Acts, die ich verpasste, also jenen, denen eine gewisse Bemühung zur Drastik anzumerken ist, gehört etwa die New Yorkerin Pharmakon, die Ende November im Berghain auftrat und zu wahnsinnigem Krach wahnsinnig rumkreischte, was angeblich wahnsinnig toll gewesen sein muss. Ebenfalls abwesend war ich bei Clipping, diesmal in der Kantine am Berghain. Clipping ist eine HipHop-Gruppe, deren Rapper düster und für mein Empfinden ein wenig bedeutungsschwanger zu weißem Rauschen und anderen Krächen rappt.

Apropos Konzerte, bei denen ich nicht war: Kurz vor Silvester trat ich unter dem Namen Erfolg im Schauspiel Leipzig im Vorprogramm von Bernadette La Hengst auf, war also ausnahmsweise mal NICHT abwesend, und Bernadette La Hengst, die einst in der drastisch benannten Band Die Braut Haut Ins Auge sang, trug unter anderem schöne Duette ohne Duett-Partner vor! Zu den abwesenden Partnern, die sie imitierte, gehörten Rocko Schamoni und irgendjemand wahnsinnig tolles aus Kolumbien.

Komplett anwesend auf der Bühne des West Germany war im September die sehr gute Berliner Noiserock-Punkband Opa, und das war auch gut so, denn es war ihr letztes Konzert aller Zeiten. Nicht auszudenken, wenn ein Mitglied das letzte Konzert verpasst hätte! Glücklicherweise war auch ich da, denn ich wollte die Band noch einmal sehen, bevor sie nach nur einem Jahr ihrer Existenz wieder in der unverdienten Versenkung verschwand. Ähnlich wie bei Pharmakon wurde recht viel rumgeschrien, vor allem von der Gitarristin Grinni Stangner, und dazu wurde sehr hübsch rumgewummert. Im Hintergrund lief ein Video, das Mademoiselle Stangners Abiturzeugnis-Verleihungszeremonie zeigte. Fantastisch! [...]


 
Matthias Dell
Mein halbes Jahr: >Film<
12 Years a Slave – The Butler – noch einmal: Django Unchained



ZITTERN

 
Redaktionsgespräch Jan Engelmann/Arnd Pollmann
»Besonders scharf, damit es brennt«
 
Ekkehard Knörer
Das Urteil verschlagen
Harmony Korines Ästhetik des Drastischen
 
Manfred Theisen
Explosion der Langeweile
Von Überdruss und Amok
 
Maja Bächler
Arbeitsalltag in der Folterkammer
Zur Rezeption von Kathryn Bigelows Zero Dark Thirty
 
Gespräch Thomas Scheibitz/Bernd Heusinger
»In seiner Heftigkeit unerwartet«
 
Michael Jahn
Gott kann die Uhr nicht lesen
Über den Krieg im Himmel in John Miltons Paradise Lost
 
Jörg Trempler
Blutrünstige Kunst
Über die immersive Kraft von Bildern um 1800
 
Ulf Schmidt
Warum so brutal?
Tom Fontanas TV-Serie OZ und Dantes Göttliche Komödie
 
Anna-Catharina Gebbers
An den Rändern des Denkbaren
Über die Kunst der Erschütterung
 
Ina Kerner
Leben im Kapitalismus: >Bomben, Rauch und Irokesen<
 
Susann Neuenfeldt/Simon Strick
Hallo Karthago/Hallo Rom: >Krasser Traum<



ZURÜCKSCHLAGEN

 
Joanna Barck
Die Macht des Bildes
Zur Drastik des Undarstellbaren
 
Marcus Stiglegger
Anatomie der Angst
Dario Argento als Meister der performativen Drastik



SCHÖNHEITEN

 
Lars-Olav Beier
Auge um Auge
Hinsehen müssen: Luis Buñuels und Salvador Dalís Der andalusische Hund
 
Leo Lencsés
Exorzismus der Erinnerung
Gleichmacherei der Gewalt: Álex de la Iglesias Balada triste de trompeta
 
Thomas Schramme
Mann ohne Unterleib
Differente Lebensweisen: Tod Brownings Freaks
 
Christoph Raiser
Was das Zeug hält
Vier Bände Gehacktes: Milo Manaras und Alejandro Jodorowskys Die Borgia
 
Sebastian Dörfler
Exzess und Fortschritt
Mehr als Triebe: Dietmar Daths Die salzweißen Augen
 
Tilman Vogt
Kein Schauer
Bombe im Fabergé-Ei: Jeronimo Voss’ Phantasmagorical Horizon
 
Patrick Thor
Moderne Mythen
»We need to follow him«: Nicolas W. Refns Valhalla Rising
 
Elias Kreuzmair
Kein Kannibale
Aus dem Nichts: Der letzte Satz von Christian Krachts 1979
 
Christian Meskó
Pure Unterhaltung
Folterknechte als Helden: Maja Bächlers Inszenierte Bedrohung
 
Stefan Huster
Krass Gescheitert
Utopie der Geschichtslosigkeit: Bernardo Bertoluccis Der letzte Tango in Paris


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