Das Online-Magazin zur Zeitschrift | HALBJAHRESMAGAZIN polar






polar #9: Fortschritt



EDITORIAL

 
Peter Siller, Bertram Keller
Editorial



AUFKLÄRUNG

 
Steven Lukes
Das Ende des Fortschritts?
Vom Sinn der Fortschrittsidee
 
»Der Mensch, das utopische Tier«
Interview Miguel Abensour
 
Peter Siller
Vowärts, und nicht vergessen
Warum emanzipatorische Politik einen neuen Fortschrittsbegriff braucht
 
Corinna Mieth
Utopische und wirkliche Freiheit
Hat die Utopie im Liberalismus noch eine Chance?
 
Thomas Biebricher/Stefan Huster/Arnd Pollmann/ Betram Keller
Ist es links?: >Utopie<
 
Thomas McCarthy
Die Gegenwart der Vergangenheit
Die Idee menschlicher Entwicklung
 
Carsten Ruhl
Vom Kult der Technik zur Kulturtechnik
Vom Kult der Technik zur Kulturtechnik
 
Carola Bauschke-Urban
Werdet Nomaden!
Mehr Fortschritt für die Wissenschaft durch Mobilität?
 
Thomas Schramme
Menschen und Normen
Gibt es moralischen Fortschritt?



AUFBRUCH

 
Petra Hauffe/Judith Karcher
Stillstand ist der Tod
Worauf beruht das Postulat des steten Wachstums?
 
Isa Jahnke/Dorothea Voss-Dahm
Ambivalente Wirkungen
Digitale Demenz versus Kreativitätspotenziale
 
»Die Idee des Virtuellen ist zerplatzt«
Interview Geert Lovink
 
Justus Schütze
Power from the people
Energetischer Fortschritt für alle
 
Rebecca Harms
Das Wüstenstromprojekt
Warum ökologischer und sozialer Fortschritt solare Großkraftwerke braucht
 
Neue Berliner Sprachkritik
Der wahre Text: >Krönung der Schöpfung<
 
Jan Fuhse
Unsterblichkeit im Cyber-Space
Zur Konstruktion von technischem Fortschritt in der Science Fiction
 
Michael Makropoulos
Der Raum des Fortschritts
Architekturmoderne und Massenmotorisierung
 
»So einfach wie möglich«
Interview Arno Brandlhuber/Diébédo Francis Kéré
 
Arnd Pollmann
Ein schwacher Trost
Geschichtsphilosophie für Fortgeschrittene
 
Alban Lefranc
Mein halbes Jahr >Literatur<
Lucilio Vanini – Samuel Beckett – Don DeLillo – Pierre Michon
 
Matthias Dell
Mein halbes Jahr >Film<
Lotería – Mammut - Sandkastenspiele
 
Christoph Raiser
Mein halbes Jahr >Musik<
Zola – DJ Mujava – Buraka Som Sistema – Bonde Do Role – Edu K



AUFGABE

 
Juliane Rebentisch
Wider die ästhetische Regression
Kunstkritik jenseits von Differenzfetischismus und Retro-Modernismus
 
Thomas Biebricher
Backbeat Revolution
Geschichte wird gemacht: The (International) Noise Conspiracy
 
Metin Genc
Ein Detektor ist ein Detektor ist ein Detektor
Literarisches vom Standpunkt der Zeit
 
Barbara Holland-Cunz
Unerledigte Utopie
Zur Renaissance der 1970er Jahre – kulturindustriell und utopisch
 
Gabriele Dietze
Der okzidentalistische Geschlechterpakt
Emanzipation als uneingelöstes Versprechen
 
Martin Saar
Bildpolitik: >Vorwärts<
 
Ina Kerner
Leben im Kapitalismus: >Fortschrittskontrollen und Post-Development<
 
Susann Neuenfeldt/Simon Strick
Hallo Karthago/Hallo Rom: >Reck Deine Glieder<



SCHÖNHEITEN

 

Tim Caspar Boehme

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Pioniere der De-Evolution: Devo


Die Kulturpessimisten wussten es schon immer: Es wird alles nur noch schlimmer kommen. Wenn sie Humor hatten, so wie die Dada- Satiriker von Devo, konnten sie dieser trüben Aussicht kunstvollen Nerd-Elektrorock mit bissigen Kommentaren zur Lage der Welt abgewinnen. Der Mensch im technisch-konsumistischen Zeitalter, so ihre Grundannahme, entwickelt sich nicht vor, sondern zurück, was sie mit ihren Beobachtungen der gesellschaftlichen Lage immer aufs Neue vorführten. Doch zu Beginn der Achtziger war eigentlich schon alles gesagt. Sie hatten mit ihren großen ersten vier Alben eine Steilvorlage geliefert, an der sich Retro-Bands dieser Tage immer noch abarbeiten. Danach kam fast nur noch Mist, und 1991 lösten sie sich auf, ohne dass dieser Schritt groß beklagt wurde.

Jetzt sind sie, zwanzig Jahre nach dem letzten Album, mit einer neuen Platte da. Der erste Gedanke, der einem dazu einfallen mag, ist die Frage, ob sie ihre De-Evolutionstheorie nun endgültig am Beispiel des eigenen Werks belegt haben. Diese Befürchtung wird beim Hören aber weitgehend zerstreut. Hier sind Musiker am Werk, die immer noch so naiv-fröhlich an ihrem Popentwurf arbeiten wie zu ihren besten Zeiten. Ihr Talent für kompakt voranstürmende Rocknummern mit eckigen Gitarrenriffs inklusive Synthesizerunterstützung haben sie sich genauso bewahrt wie ihren Witz.

Alles gut also? Eine Fortentwicklung gar? Ganz so weit kann man dann auch wieder nicht gehen. Devo haben ihren handelsüblichen Klang zwar aktualisieren lassen und sich dabei Unterstützung von jungen Musikern wie Santigold geholt, der eine oder andere Schwächeanfall ist dennoch zu bemängeln. Und wenn sie sich in dem vehement unerfreulichen Song »No Place Like Home« an einer so berechtigten wie uninspiriert-vordergründigen Kritik der Umweltzerstörung versuchen, ist das ein klarer Rückschritt. Die Freude an ihrer Rückkehr überwiegt gleichwohl – und wer weiß, vielleicht haben sie am Ende Recht und wir sind alle irgendwie ein bisschen Devo.


 
Johannes Kleinbeck
Der Übermaler
Das Neue auf der Stelle: Die Kunst Arnulf Rainers
 
Frieder Vogelmann
Moderne Zeiten
Das Formlose in Permanenz: Ahmet Hamdi Tanpinars Das Uhrenstellinstitut
 
Anna Sailer
Abseits
Bewegung im Stillstand: Junges mexikanisches und deutsches Kino
 
Julia Roth
Kumbia, Nena!
Punk Tropical: Kumbia Queers als genderpolitische Avantgarde
 
Franziska Schottmann
Irrwitz
Vom Absurden lernen: William Kentridge im Jeu de Paume
 
Martin Saar
Gemeinsames Glück
Unverschämt optimistisch: Hardt und Negri über das Gemeinsame
 
Kerstin Carlstedt
Gebannte Welt
Horror als Modernitätsverweigerung: M. Night Shyamalans The Village
 
Thomas Schramme
Sprungzone
Zeitverschiebung: Billy Braggs Waiting For The Great Leap Forwards
 
Luisa Banki
Der Fortschreiter
Unterbrochene Geschichte: Walter Benjamins Denkbild In der Sonne


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