Das Online-Magazin zur Zeitschrift | HALBJAHRESMAGAZIN polar






polar #15: Grenzen




EDITORIAL

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BARRIERE

 
Owen Jones
Alle lachten
Von der neuen Stigmatisierung der Arbeiterklasse
 
Gunnar Otte
Sag mir, wie du wohnst
… und ich sag dir, wer du bist. Lebensstile als Grenzziehung
 
Peter Siller
Was heißt Inklusion?
Zur Orientierungskraft eines klärungsbedürftigen Begriffs
 
Idil Efe
Neukölln für alle
Bildungsprojekte und sozialer Aufstieg: Ein Bericht aus der Praxis
 
Stefan Huster
Draußen vor dem Fester
Von Bauarbeitern und Opernbesuchern. Eine Erinnerung
 
Ernst Rösner/Wilfried Bos
Das Gesetz der Schwerkraft
Von der Fiktion der Durchlässigkeit des Bildungswesens
 
Die Stunde der Snobs
Bildungsgerechtigkeit zwischen Leistung und Habitus
 
Thomas Biebricher/Stefan Huster/Arnd Pollmann/Peter Siller/
Ist es links? >No Borders<
 
Susann Neuenfeldt/Simon Strick
Hallo Rom/Hallo Karthago: >Occupy Me<



SCHLAGBAUM

 
Andreas Cassee
Ein Recht auf globale Bewegungsfreiheit?
Einwanderungsbeschränkung und individuelle Selbstbestimmung
 
Christoph Raiser
Spiel nicht mit den Schmuddelkindern
Warum Beppe Grillos Abgrenzung von Italiens Parteien auch keine Lösung ist
 
Roman Deckert
Niemandsland für den Frieden
Zur Grenzziehung zwischen Sudan und Südsudan
 
Huub van Baar
Bordering Europe
Die Ethnisierung der Differenz
 
 

Marei Pelzer

Verlogene Apelle

Europas Grenzregime und die syrische Flüchtlingskrise. Eine Leidensgeschichte


Syrien versinkt im Bürgerkrieg. 1,6 Millionen Menschen sind auf der Flucht. Insbesondere die Erstaufnahmestaaten in den direkten Nachbarregionen haben syrischen Flüchtlingen Schutz vor den kriegerischen Auseinandersetzungen geboten. Jordanien hat bislang nach Angaben des Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen – UNHCR – 461.000 Flüchtlinge aus Syrien aufgenommen, der Libanon 462.000, die Türkei 329.000, der Irak 145.000 und Ägypten 66.000. (Stand: Mai 2013). Die Europäische Union appelliert an die Nachbarländer, die Grenzen für syrische Flüchtlinge weiter offen zu halten. Doch wenn es um die eigene Aufnahmebereitschaft geht, hält die EU an der rigorosen Abwehrpolitik fest. Nur wenigen Flüchtlingen gelingt es, das hochgerüstete europäische Grenzregime zu überwinden – zumeist riskieren sie dabei ihr Leben. Die EU-Grenzpolitik offenbart angesichts der syrischen Flüchtlingskrise ihre Inhumanität.

Die Geschichte der Familie Naso

Eine der syrischen Flüchtlingsfamilien, die leidvoll die Folgen der Abwehrhaltung gegen Flüchtlinge erfahren musste, ist die Familie Naso. Sie lebte seit mehr als einem Jahrzehnt in Deutschland, genauer gesagt: in Hildesheim, Niedersachsen. Seit kurzem ist die Familie nach langer Trennung wieder vereint. Dem minderjährigen Sohn Anuar und seinem Vater gelang es, dem Bürgerkrieg in Syrien zu entkommen. Zusammen war er kurz vor Ausbruch der gewaltsamen Auseinandersetzungen Anfang 2011 von deutschen Behörden dorthin abgeschoben worden. Die Bundesregierung hatte 2008 ein Rückübernahmeabkommen mit dem Assad-Regime abgeschlossen. Damals bestritt die Regierung noch, was das von Assad regierte Syrien schon immer war: ein Folterstaat. Trotz aller Warnungen von Menschenrechtsorganisationen wurden Abschiebungen zwangsweise durchgesetzt. Mit fatalen Folgen: Anuar, der damals gerade einmal 15 Jahre alt war, und sein Vater wurden sofort nach ihrer Ankunft in Syrien festgenommen, inhaftiert und gefoltert. Für den in Deutschland aufgewachsenen Jungen war dies eine traumatische Erfahrung. Da seine Eltern Kurden sind, verstand er nicht einmal die Sprache seiner Peiniger. Nachdem sie den syrischen Folterkellern 100 polar 15 Marei Pelzer entkommen waren, brach der Bürgerkrieg in Syrien aus. Sie flohen zunächst in die Türkei. Später gelang es ihnen schließlich, die EU-Außengrenzen illegal zu überwinden und sich bis nach Bulgarien durchzuschlagen. Dort wurden sie aufgegriffen. In Bulgarien erlebten sie unglaubliches Leid. Sie waren wahlweise in Haft oder mussten um Unterkunft und Verpflegung betteln. Ihre Rückkehr nach Hildesheim sollte noch zwei Jahre auf sich warten lassen. [...]


 
Sandro Mezzadra/Brett Neilson
Die Macht der Trennlinie
Von der Grenze als Objekt zur Grenze als Methode
 
Silvan Pollozek
Abtasten und Durchleuchten
Beobachtungen an der Eingangskontrolle eines Amtsgerichts
 
Alexander Koch
Zehn Schöne Inseln
Die Binnengrenzen des Kunstfeldes. Ein Beschreibungsmodell
 
Swantje Brüggemann/Malin Nagel/Kathrin Philipp
Auf den Bühnen der Indifferenz
Schule und Theater im Grenzdilemma
 
Marie Schmidt
Mein Halbes Jahr: >Literatur<
Sylvia Plath – Adam Phillips – Kristin Dombek
 
Johannes von Weizsäcker
Mein Halbes Jahr: >Musik<
Boards of Canada – My Bloody Valentine – Milker – Mac Demarco – The Men – Händel – Verdi – Messiaen
 
Matthias Dell
Mein Halbes Jahr: >Film<
Gold – Meek’s Cutoff – The Bling Ring – Laurence Anyways



TÜR

 
Sighard Neckel
Zukunft der Vergangenheit
Zur Refeudalisierung der modernen Gesellschaft
 
Sandra Umathum
Keine Gleich-Gültigkeit!
Über Grenzverläufe im zeitgenössischen Theater
 
Arnd Pollmann
Auf schmalem Grat
Über die Wahlverwandtschaft der Spätmoderne mit dem Borderline-Syndrom
 
Ina Kerner
Leben im Kapitalismus: >Pastis in der Enklave<



SCHÖNHEITEN

 
Tilman Vogt
Konsequente Mülltrennung
In Verteidigung des Trashs: Der Sammelband Alles falsch
 
Luisa Banki
Furiose Entgrenzung
Androgynität als Metapher: Virginia Woolfs Orlando
 
Unfruchtbar
Kerstin Carlstedt
 
Unfruchtbar
Kerstin Carlstedt
 
Markus Dressel
Nichts Gruseliges
Grenzenlos politisch: Hannah Arendts Was ist Politik?
 
Anna-Catharina Gebbers
Weltausstellung
Grenzenlose Kunst: Der deutsch-französische Pavillontausch
 
Tears Will Roll
Vor und auf der Leinwand: Von der Rückkehr der männlichen Träne
 
Johannes Kleinbeck
Gewaltige Melodei
Ein Klagegesang jenseits der Grenzen: Lutz Seilers Erzählung Turksib
 
Leo Lencsés
Der weite Augenblick
Zwischen Anwesenheit und Teilnahme: Jean-Luc Mylaynes Fotografie
 
Nils Plath
Wir sind Propheten
Nomaden eines Europa vor den Kriegen: Die Epoche der Vagabunden
 
Lydia Hibbeln/Aletta Diefenbach
Uniform und einfältig
In Komplizenschaft: Die Grenzen der Liebe in Film und Realität


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