Das Online-Magazin zur Zeitschrift | HALBJAHRESMAGAZIN polar






polar #15: Grenzen




EDITORIAL

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BARRIERE

 
Owen Jones
Alle lachten
Von der neuen Stigmatisierung der Arbeiterklasse
 
Gunnar Otte
Sag mir, wie du wohnst
… und ich sag dir, wer du bist. Lebensstile als Grenzziehung
 
Peter Siller
Was heißt Inklusion?
Zur Orientierungskraft eines klärungsbedürftigen Begriffs
 
Idil Efe
Neukölln für alle
Bildungsprojekte und sozialer Aufstieg: Ein Bericht aus der Praxis
 
Stefan Huster
Draußen vor dem Fester
Von Bauarbeitern und Opernbesuchern. Eine Erinnerung
 
Ernst Rösner/Wilfried Bos
Das Gesetz der Schwerkraft
Von der Fiktion der Durchlässigkeit des Bildungswesens
 
Die Stunde der Snobs
Bildungsgerechtigkeit zwischen Leistung und Habitus
 
Thomas Biebricher/Stefan Huster/Arnd Pollmann/Peter Siller/
Ist es links? >No Borders<
 
 

Susann Neuenfeldt/Simon Strick

Hallo Rom/Hallo Karthago: >Occupy Me<


Geliebtes Rom,

in deiner Demokratie gibt es keine Grenzen. Es gibt keinen Schießbefehl für einen Gedanken. Keinen Todesstreifen für eine fragwürdige Äußerung. Kein Niemandsland, keinen Tunnel für eine Kulturkritik an deinem System. Jede Kritik heißt du willkommen als einen Gast, der sich wie zu Hause fühlen soll. Die Terrorzelle des NSU jagst du aus dem Haus, nach Hinterdeutschland, Snowden nach Cuba. Sag mir, wo du stehst. Ich sag dir, welchen Weg ich geh. Gilt dein Demokratieprinzip auch für deine Liebe? Wo fängt deine Liebe zu mir an, wo endet sie? Wo liegt der Gewehrlauf deiner Liebe? Wann macht sie sich aus dem Staub und flieht in den Westen? Sag mir, liebes Rom, welcher Terrorzelle meines Körpers machst du den Prozess? (Heer, Stahl und Sturm sind deine Ungeheuer) Ich komme aus einer Diktatur des Denkens. Mit der Grenze im Kopf forme ich die Worte auf meiner Zunge, lasse sie durch meine Zähne gleiten, die Türsteher der Ideologie. Die Demokratie in deinem Land hat keinen Biss Rom. Sie ist die Feinmechanik des Kapitalismus (ohne Proletariat). Lass mich deine Zähne fühlen. Hau sie in mein rastloses Fleisch. Die Diktatur ist unser Tattoo. Der Zirkusdirektor mit Peitsche. Occupy Wall Street Occupy Me, den Ruhelosen,

Dein Karthago


Karthago, Geliebter,
nein, ich hab kein Gewehr. Ich muss niemand aus großer Entfernung in den Rücken schießen. Ich sehe dir in die Augen, wenn ich dir den Dolch gebe, denn ich meine genau Dich. Du brauchst nicht flüchten, keinen Tunnel graben, musst keinen Untergrund ausheben. Das Niemandsland sind wir. Dort wo ich warte auf dich, wo du rastlos bist, ist unser Todesstreifen. Verlauf dich auf deinen Streifzügen, Rom ist da, wenn du vor Erschöpfung einschläfst. Fletsche deine Zähne, Liebster, und lehn dich an meine Mauern, wenn du nicht mehr kannst. Schrei deinen Protest, meine Straßen sollen dein Megaphon sein. Ich will dich nicht besetzen, ruheloses Karthago. Ich bin dein Zucottipark, deine Wall Street, dein Bürofenster mit der Backsteinwand davor, die Bühne für deinen rastlosen Stillstand. Mich interessiert keine Zelle und kein Winkel, mein Terror sind die offenen Türen, das helle Tageslicht. Kein Versteck, keine Scham. Hier stehe ich, meine Tore sind weit geöffnet, für dich. Jeder kann herein kommen, jeder sagen was ihm in den Sinn kommt, alle machen eine Riesenunordnung. Meine Tore sind offen, ich warte nur auf dich. Und wenn du kommst, beiße ich in dein Fleisch, bis ich zahnlos bin, denn ich will das Bekenntnis deiner Lippen.

Ewig, Rom




SCHLAGBAUM

 
Andreas Cassee
Ein Recht auf globale Bewegungsfreiheit?
Einwanderungsbeschränkung und individuelle Selbstbestimmung
 
Christoph Raiser
Spiel nicht mit den Schmuddelkindern
Warum Beppe Grillos Abgrenzung von Italiens Parteien auch keine Lösung ist
 
Roman Deckert
Niemandsland für den Frieden
Zur Grenzziehung zwischen Sudan und Südsudan
 
Huub van Baar
Bordering Europe
Die Ethnisierung der Differenz
 
Marei Pelzer
Verlogene Apelle
Europas Grenzregime und die syrische Flüchtlingskrise. Eine Leidensgeschichte
 
Sandro Mezzadra/Brett Neilson
Die Macht der Trennlinie
Von der Grenze als Objekt zur Grenze als Methode
 
Silvan Pollozek
Abtasten und Durchleuchten
Beobachtungen an der Eingangskontrolle eines Amtsgerichts
 
Alexander Koch
Zehn Schöne Inseln
Die Binnengrenzen des Kunstfeldes. Ein Beschreibungsmodell
 
Swantje Brüggemann/Malin Nagel/Kathrin Philipp
Auf den Bühnen der Indifferenz
Schule und Theater im Grenzdilemma
 
Marie Schmidt
Mein Halbes Jahr: >Literatur<
Sylvia Plath – Adam Phillips – Kristin Dombek
 
Johannes von Weizsäcker
Mein Halbes Jahr: >Musik<
Boards of Canada – My Bloody Valentine – Milker – Mac Demarco – The Men – Händel – Verdi – Messiaen
 
Matthias Dell
Mein Halbes Jahr: >Film<
Gold – Meek’s Cutoff – The Bling Ring – Laurence Anyways



TÜR

 
Sighard Neckel
Zukunft der Vergangenheit
Zur Refeudalisierung der modernen Gesellschaft
 
Sandra Umathum
Keine Gleich-Gültigkeit!
Über Grenzverläufe im zeitgenössischen Theater
 
Arnd Pollmann
Auf schmalem Grat
Über die Wahlverwandtschaft der Spätmoderne mit dem Borderline-Syndrom
 
Ina Kerner
Leben im Kapitalismus: >Pastis in der Enklave<



SCHÖNHEITEN

 
Tilman Vogt
Konsequente Mülltrennung
In Verteidigung des Trashs: Der Sammelband Alles falsch
 
Luisa Banki
Furiose Entgrenzung
Androgynität als Metapher: Virginia Woolfs Orlando
 
Unfruchtbar
Kerstin Carlstedt
 
Unfruchtbar
Kerstin Carlstedt
 
Markus Dressel
Nichts Gruseliges
Grenzenlos politisch: Hannah Arendts Was ist Politik?
 
Anna-Catharina Gebbers
Weltausstellung
Grenzenlose Kunst: Der deutsch-französische Pavillontausch
 
Tears Will Roll
Vor und auf der Leinwand: Von der Rückkehr der männlichen Träne
 
Johannes Kleinbeck
Gewaltige Melodei
Ein Klagegesang jenseits der Grenzen: Lutz Seilers Erzählung Turksib
 
Leo Lencsés
Der weite Augenblick
Zwischen Anwesenheit und Teilnahme: Jean-Luc Mylaynes Fotografie
 
Nils Plath
Wir sind Propheten
Nomaden eines Europa vor den Kriegen: Die Epoche der Vagabunden
 
Lydia Hibbeln/Aletta Diefenbach
Uniform und einfältig
In Komplizenschaft: Die Grenzen der Liebe in Film und Realität


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