Das Online-Magazin zur Zeitschrift | HALBJAHRESMAGAZIN polar






polar #15: Grenzen




EDITORIAL

Diese Seite steht zur Zeit nicht zur Verfügung.



BARRIERE

 
Owen Jones
Alle lachten
Von der neuen Stigmatisierung der Arbeiterklasse
 
Gunnar Otte
Sag mir, wie du wohnst
… und ich sag dir, wer du bist. Lebensstile als Grenzziehung
 
Peter Siller
Was heißt Inklusion?
Zur Orientierungskraft eines klärungsbedürftigen Begriffs
 
Idil Efe
Neukölln für alle
Bildungsprojekte und sozialer Aufstieg: Ein Bericht aus der Praxis
 
Stefan Huster
Draußen vor dem Fester
Von Bauarbeitern und Opernbesuchern. Eine Erinnerung
 
Ernst Rösner/Wilfried Bos
Das Gesetz der Schwerkraft
Von der Fiktion der Durchlässigkeit des Bildungswesens
 
Die Stunde der Snobs
Bildungsgerechtigkeit zwischen Leistung und Habitus
 
Thomas Biebricher/Stefan Huster/Arnd Pollmann/Peter Siller/
Ist es links? >No Borders<
 
Susann Neuenfeldt/Simon Strick
Hallo Rom/Hallo Karthago: >Occupy Me<



SCHLAGBAUM

 
Andreas Cassee
Ein Recht auf globale Bewegungsfreiheit?
Einwanderungsbeschränkung und individuelle Selbstbestimmung
 
Christoph Raiser
Spiel nicht mit den Schmuddelkindern
Warum Beppe Grillos Abgrenzung von Italiens Parteien auch keine Lösung ist
 
Roman Deckert
Niemandsland für den Frieden
Zur Grenzziehung zwischen Sudan und Südsudan
 
 

Huub van Baar

Bordering Europe

Die Ethnisierung der Differenz


Es ist schon eine Weile her, dass die massenhafte Ausweisung von Roma aus Frankreich für Wut und Fassungslosigkeit sorgte. Noch im Sommer und Herbst 2010 führten diese Deportationen zu aufgeheizten öffentlichen Debatten unter europäischen Politikern, Intellektuellen und Medienvertretern. Doch im Moment scheint sich kaum noch jemand für die weiterhin existierende und mittlerweile ›normalisierte‹ französischen Praxis der Deportation rumänischer und bulgarischer EU-Bürger mit Roma-Hintergrund in ihre Herkunftsländer zu interessieren. Es scheint so, als ob eine Praxis, die in aller Stille aufgenommen wurde als Rumänien und Bulgarien 2007 EU-Mitglieder wurden und die 2010 so viel Aufruhr verursachte, als Sarkozy explizit die Situation der Roma-Migranten auf die politische Agenda setzte, den Mainstream der europäischen Bürger nicht mehr stört – falls es ihn jemals gestört hat. Doch bei diesen Praktiken handelt es sich um die vielleicht offensichtlichsten Manifestationen zunehmend ungleicher Behandlung von Bürgern in Europa und deshalb sollten wir uns alle daran stören. Allgemeiner gesagt ist die Lage der Roma im gegenwärtigen Europa bezeichnend für die Mehrdeutigkeit des europäischen Versuchs, sich abzugrenzen und dementsprechend auch im Hinblick auf die Frage, wie sehr wir uns an den neu entwickelten Mechanismen europäischer Grenzziehungen stören sollten.

Die Geschichte vom grenzenlosen Kontinent

Gemäß eines der mittlerweile scheinbar über jeden Zweifel erhabenen Narrative über Europa existieren seit dem Abschluss des Schengen-Vertrages 1985 und seiner Umsetzung im Rahmen der EU im Laufe der 1990er Jahre keine internen Grenzen mehr. Dementsprechend wurde die EU rhetorisch als ein leicht durchquerbarer Raum konzeptualisiert, und die EU-Staatsbürgerschaft basiert auf dem Paradigma der Freizügigkeit von Personen. Die kritische Forschung über die EU und ihre Migrations- und Grenzpolitik hat diese Geschichte und die entsprechende Konzeptualisierung immer wieder in Frage gestellt. Sie hat dagegen zu zeigen versucht, dass das ›traditionelle‹ Verhältnis zwischen innerer und äußerer Sicherheit in der EU seit den frühen 1990er Jahren in substantieller Weise umgeformt wurde und unter anderem zur Entwicklung von ambivalenten Mechanismen und Praktiken der europäischen Grenzziehung geführt hat. Sich wechselseitig verstärkende Prozesse europäisierender Migrations- und Grenzpolitik gingen einher mit einem intensivierten Migrations- und Grenzmanagement innerhalb und jenseits der EU – insbesondere auch unter Sicherheitsgesichtspunkten, was in der Fachliteratur unter dem Begriff der Versicherheitlichung (Securitization) gefasst wird. Forscher, die sich mit diesem europäischen Grenz- und Migrationsmanagement beschäftigen, haben sich in der Vergangenheit typischerweise vor allem für die Auswirkungen dieser Entwicklungen auf die physische, rechtliche und biopolitischen Regulierung von Bevölkerungen interessiert, wobei die Unterscheidung von EU-Bürgern und Nicht-EU-Bürgern wie auch den nationalen Unterschieden innerhalb der EU im Mittelpunkt stand. [...]


 
Marei Pelzer
Verlogene Apelle
Europas Grenzregime und die syrische Flüchtlingskrise. Eine Leidensgeschichte
 
Sandro Mezzadra/Brett Neilson
Die Macht der Trennlinie
Von der Grenze als Objekt zur Grenze als Methode
 
Silvan Pollozek
Abtasten und Durchleuchten
Beobachtungen an der Eingangskontrolle eines Amtsgerichts
 
Alexander Koch
Zehn Schöne Inseln
Die Binnengrenzen des Kunstfeldes. Ein Beschreibungsmodell
 
Swantje Brüggemann/Malin Nagel/Kathrin Philipp
Auf den Bühnen der Indifferenz
Schule und Theater im Grenzdilemma
 
Marie Schmidt
Mein Halbes Jahr: >Literatur<
Sylvia Plath – Adam Phillips – Kristin Dombek
 
Johannes von Weizsäcker
Mein Halbes Jahr: >Musik<
Boards of Canada – My Bloody Valentine – Milker – Mac Demarco – The Men – Händel – Verdi – Messiaen
 
Matthias Dell
Mein Halbes Jahr: >Film<
Gold – Meek’s Cutoff – The Bling Ring – Laurence Anyways



TÜR

 
Sighard Neckel
Zukunft der Vergangenheit
Zur Refeudalisierung der modernen Gesellschaft
 
Sandra Umathum
Keine Gleich-Gültigkeit!
Über Grenzverläufe im zeitgenössischen Theater
 
Arnd Pollmann
Auf schmalem Grat
Über die Wahlverwandtschaft der Spätmoderne mit dem Borderline-Syndrom
 
Ina Kerner
Leben im Kapitalismus: >Pastis in der Enklave<



SCHÖNHEITEN

 
Tilman Vogt
Konsequente Mülltrennung
In Verteidigung des Trashs: Der Sammelband Alles falsch
 
Luisa Banki
Furiose Entgrenzung
Androgynität als Metapher: Virginia Woolfs Orlando
 
Unfruchtbar
Kerstin Carlstedt
 
Unfruchtbar
Kerstin Carlstedt
 
Markus Dressel
Nichts Gruseliges
Grenzenlos politisch: Hannah Arendts Was ist Politik?
 
Anna-Catharina Gebbers
Weltausstellung
Grenzenlose Kunst: Der deutsch-französische Pavillontausch
 
Tears Will Roll
Vor und auf der Leinwand: Von der Rückkehr der männlichen Träne
 
Johannes Kleinbeck
Gewaltige Melodei
Ein Klagegesang jenseits der Grenzen: Lutz Seilers Erzählung Turksib
 
Leo Lencsés
Der weite Augenblick
Zwischen Anwesenheit und Teilnahme: Jean-Luc Mylaynes Fotografie
 
Nils Plath
Wir sind Propheten
Nomaden eines Europa vor den Kriegen: Die Epoche der Vagabunden
 
Lydia Hibbeln/Aletta Diefenbach
Uniform und einfältig
In Komplizenschaft: Die Grenzen der Liebe in Film und Realität


nach oben