Das Online-Magazin zur Zeitschrift | HALBJAHRESMAGAZIN polar






polar #23: Ende und Anfang




EDITORIAL

 
Liebe Leserin, Lieber Leser


ENDE

 
Mark Fisher
»Zeit gibt es hier keine, jetzt nicht mehr.«
 
Lukas Zidella
Kontinuität und Wandel
Vom Ende des Endes der Geschichte
 
Stefan Willer
Verhinderte Zukunft
Sicherheit, Prävention, Imagination
 
Paula Diehl
News for the Masses
Massenmedien, Populismus, Rechtspopulismus
 
 

Thomas Schramme

Ende des Lebens

Die vertraute und völlig unbekannte Befassung mit dem Tod


Für Markus – mein großer, verlorener Bruder
Das Ende des Lebens ist kein Zeitpunkt, den Menschen erleben können. Wir weiterhin Lebenden vermögen nur darüber zu spekulieren, was aus Perspektive der dahinscheidenden Personen geschehen könnte. Diese Unwissenheit bietet Anlass für allerlei Spekulationen und Ängste, welche die Menschheit seit jeher beschäftigen. Religiöser Glaube bezüglich eines Lebens nach dem Tod oder die Wiederkehr unter die Lebenden betreffend sind eine Denkrichtung; profane Überzeugungen, wonach der Tod wie ein endloser, traumloser Schlaf erlebt werde, sind ebenfalls verbreitetet.

Ist der Tod ein Übel?
Die Unwägbarkeiten bezüglich des Todes und die Tatsache, dass er gerade nicht in Kategorien des Lebens eingefangen werden kann, machen die Bewertung des Todes schwierig. Zwar scheint es vielen Menschen anscheinend ziemlich leicht zu fallen, den Tod abzulehnen und ihn als ein schreckliches Ereignis zu bewerten, aber beim genaueren Hinsehen ist es nicht so einfach, dieses Verdikt zu begründen. In der Tat scheinen ja zudem viele Menschen der Ansicht, dass der Tod nicht unter allen Umständen so schlecht ist. Warum also ist der Tod ein Übel; ist er es überhaupt?

Wohlgemerkt, hier soll es um die Frage gehen, was der Tod für die Person bedeutet, welche der Tod ereilt. Insbesondere steht das Problem im Vordergrund, ob der Tod für die betroffene Person ein Übel darstellt sowie, falls dem so ist, worin das Übel genau besteht. Natürlich bietet der Tod eines Menschen darüber hinaus Anlass für vielerlei Schmerz und Unbill, das andere Menschen ereilt, etwa Angehörige und Freunde des vom Tode Betroffenen. Insofern ist der Tod meist ein Übel für viele Menschen. Ob er aber ebenfalls ein Übel für die betroffene Person selbst darstellt, darüber streiten sich die Geister. Lukrez etwa behauptete, der Tod könne kein Übel für die betroffene Person sein, da auch die Nichtexistenz vor der Geburt kein Übel für sie darstelle. Hier herrsche demnach eine symmetrische Situation, welche die gleiche Bewertung erfordere. Andere argumentierten, der Tod ereile jeden Menschen, so dass keiner wirklich benachteiligt werde. Diese Argumentationen wirken aber aus verschiedenen Gründen nicht überzeugend. Die Nicht- existenz vor der Geburt ist keineswegs symmetrisch zu der nach dem Tod, da vor  der Geburt noch keine bestimmte Person gelebt hatte, die dem Leben einen Wert zuschreiben hätte können. Auch die Tatsache, dass wir alle sterben müssen, macht als solche den Tod nicht besser. Schließlich gibt es viele Dinge, die wir alle irgendwann erleben müssen, beispielsweise Schmerzen, und die wir gleichwohl schlecht finden.

Es gab also immer schon Philosophen, die sich als Ratgeber für verunsicherte Menschen in diesen Lebenslagen verstanden. Der unfassbare Tod des Menschen und die damit einhergehenden Fragen, die sich den Lebenden stellten, boten der Philosophie zudem einiges Material, um über grundsätzliche Fragen des guten Lebens nachzudenken. [...]


 
Frederik R. Heinz
Das Ende der »politischen« Kunst
Warum uns die Kunst nicht retten kann
 
Interview Soh Bejeng Ndikung
»Privilegien verlernen«
 
Susann Neuenfeldt / Simon Strick
>OST<
Chris Cornell – Jonathan Demme – Jaki Liebezeit – George Romero – Clyde Stubblefield



ANFANG

 
Bertram Lomfeld
TATA!
Demokratische Utopien politischer Ökonomie
 
Felix Heidenreich
Das Recht auf Hoffnung
und die Umverteilung des Optimismus
 
Peter Siller / Bertram Lomfeld
Ist es links? >Optimismus<
 
Ulrike Meyer
Eine neue europäische Identität?
Die Krise als Chance begreifen
 
Stefan Solleder
Wann fängt ein Anfang an?
Fluch und Segen von Zeitabschnitten in den Sozialwissenschaften
 
Dietmar Dath
D=B=K
Digitale Spuren aus „Venus siegt“



MEIN HALBES JAHR

 
Peter Siller
Mein halbes Jahr: ›Comic‹
100 Manga Artists – 75 Jahre DC Comics – Black Panther – Chrononauts – Corto Maltese – Essai – Geisel – Die Zeitmaschine – Ich habe … getötet – La Casa – Little Nemo – Martha & Alan – Melvile – New York – Old Man Logan – Paper Girls – Patience – Rach
 
Matthias Dell
Mein halbes Jahr: ›Film‹
Oh happy Day – Fargo – In Zeiten des abnehmenden Lichts
 
Johannes von Weizsäcker
Mein halbes Jahr: >Musik<
Flying Lotus – Thundercat – Vulfpeck – Knower – Louis Cole – Suburban Lawns
 
Birthe Mühlhoff
Mein halbes Jahr: >Literatur<
Fist – Kontrasexuelles Manifest – Future Sex



DAZWISCHEN

 
Peter Siller
Infrastructures matter!
Für einen neuen Anlauf in der Gerechtigkeitsdebatte



SCHÖNHEITEN

 
Ann-Charlotte Günzel
Sorry
Soulmate statt Threesome: JAY-Zs Neuanfang 4:44
 
Anna Sailer
Schweres Beben
Schleichende Kontaminierung: Matthieu Asselins fotografische Untersuchung Monsanto
 
Elias Kreuzmair
Dazwischen
Weder Anfang noch Ende: Terézia Moras Das Ungeheuer
 
Patrick Thor
Neues Denken
Zeitlos: Ernst Jandls künstlicher Baum der Erkenntnis
 
Christoph Raiser
Und dann Bämm
Letztes Aufbäumen: Dave Grohls Schlagzeugeinsatz bei Smells Like Teen Spirit
 
Michael Eggers
Abstraktion als Rettung
Mutter aller Dystopien: Samuel Becketts Endspiel
 
Bertram Lomfeld
Die Kunst der Fuge
Kommunikative Evolution: Luhmanns Gesellschaft der Gesellschaft
 
Malin Nagel
Jenseits des Menschen
Vitalistischer Materialismus: Rosi Braidottis ­Posthumanismus
 
Birthe Mühlhoff
Hallooo!
Begrüßung und Beschwörung: David Lynchs Twin Peaks: The Return


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