Das Online-Magazin zur Zeitschrift | HALBJAHRESMAGAZIN polar






polar #13: Aufstand




EDITORIAL

 
Editorial
Peter Siller, Bertram Keller



AUSGEBLIEBEN

 
Sebastian Dörfler
An die Arbeit
Warum sich Bartleby selbst abschaffen müsste
 
Micha Brumlik
Aufstand nach Nirgendwo
Vom Missverständnis des Politischen
 
Thomas Biebricher/Marina Martinez Mateo
Die Paradoxie des Intellektuellen
Wissenschaft und öffentliche Intervention
 
Interview Jodi Dean
»Endlich wieder ›wir‹ sagen«
 
Julian Bank
Goliath stolpert, David schläft
Aufstand, soziale Bewegungen und Zeitlichkeit
 
Petra Hauffe/Judith Karcher
Der ausbleibende Aufstand
Von der selbstverschuldeten Unmündigkeit in der Finanzkrise
 
Tobias Peter
Nutzlos, sich zu erheben?
Über parasitären Widerstand
 
Arnd Pollmann/Thomas Biebricher/Stefan Huster/Peter Siller
Ist es links? >Negation<
 
Ina Kerner
Leben im Kapitalismus: >Terror, Chillen, Herrenschneider<



AUSGELÖST

 
Tasos Telloglou
Die Gerechtigkeitslücke
Revolte gegen das Ende eines geliehenen Lebens
 
 

Stephan Rosiny

Eiszeit der Diktaturen

Der Aufstand im »Arabischen Frühling«


Eine Mischung aus Demütigung, Ohnmacht und Wut trieb am 17. Dezember 2010 den Gemüsehändler Mohammed Bouazizi zu seiner öffentlichen Selbstverbrennung in der tunesischen Provinzstadt Sidi Bouzid. Eine Marktinspektorin hatte seinen nicht lizensierten Verkaufswagen beschlagnahmt und ihm damit seine prekäre Verdienstgrundlage entzogen. Etwa zeitgleich veröffentlichte WikiLeaks amerikanische Botschaftsdepeschen, die die Korruption und Raffgier der tunesischen Präsidentenfamilie beschrieben. Die Enthüllungen verdeutlichten ein Grunddilemma nahöstlicher Politik: die massive Entfremdung zwischen den autoritären Herrschern und den von ihnen Regierten.

In den folgenden Tagen kam es zu Kundgebungen, die schnell die Hauptstadt Tunis erreichten. Von Sicherheitskräften getötete Teilnehmer wurden zu den betrauerten »Märtyrern« folgender Proteste. Im arabischen Nachrichtenkanal al-Jazeera, der sich zum Mobilisierungsmedium des Arabischen Frühlings entwickeln sollte, erschienen mit Handy-Kameras aufgenommene Filme der Selbstverbrennung und anschließender Demonstrationen. Von Januar bis März 2011 kam es in fast allen arabischen Ländern zu Protesten und Aufständen.

Deren weitgehende Führungslosigkeit und die breite Solidarisierung überraschten und überrumpelten die Regime zunächst. Die gewaltsame Repression - es kamen Tausende unbewaffnete Menschen ums Leben - und die Mobilisierung quer durch alle sozialen Schichten verlieh den Protestierenden eine moralische Legitimität, die den repressiven Regimen immer mehr abhandenkam. Die Mauer des Schweigens über Machtmissbrauch und die Angst vor staatlicher Repression brachen in sich zusammen. In weniger als zwei Monaten stürzten zwei der stabilsten Autokraten des Nahen Ostens, Zine el-Abidin Ben Ali in Tunesien (14.1.2011) und Hosni Mubarak in Ägypten (11.2.).

Die Hoffnung, die autoritären Regime würden nun wie in einem Domino fallen, bewahrheitete sich allerdings nicht. Nach der ersten Überraschung kehrten sie zu ihren bewährten Instrumente der Herrschaftsstabilisierung zurück: Sie kamen den Forderungen der Demonstranten partiell entgegen, etwa indem sie unbeliebte Minister oder Regierungen als Sündenböcke austauschten oder kosmetische Verfassungsreformen durchführten. Sie nahmen Subventionskürzungen auf Grundnahrungsmittel und Energieträger zurück, um den dramatischen Preisanstieg abzufedern, schufen Arbeitsplätze in der Bürokratie und im Sicherheitsapparat, erhöhten Löhne und verteilten Wohltaten. Den reichen Ölstaaten des Golfkooperationsrats (GCC) gelang damit eine präventive Befriedung. Saudi-Arabien und Katar kamen den bedrohten Regimen in Bahrain, Oman, Marokko und Jordanien finanziell, in Bahrain auch militärisch zu Hilfe. [...]


 
Hany Darwish
Der Verrat
Ägypten nach der Revolution: Ein Bericht aus Kairo
 
Naji al-Baghuri
Am Rande des Abgrunds
Der Wandel Tunesiens: Ein Bericht aus Tunis
 
Michael Lidauer
Revolution von oben?
Myanmar auf Reformkurs
 
Felix Lutz
Zwischen Tea Party und Occupy
Der aufbruchslose Aufstand in den USA
 
Eddie Hartmann
Moralische Auszeit und soziale Revolte
Die gewaltsamen Aufstände in Frankreich und Großbritannien
 
Maja Bächler
Take the Power Back
Aufstände als Kommunikation
 
Kai van Eikels
Der angekommene Aufstand
Etwas zur politischen Bewegung, etwas zur Theorie
 
Markus Dressel
»Lasst uns auch lernen zu regieren«
Der 4. November ’89 und die List der Geschichte
 
Susann Neuenfeldt/Simon Strick
Hallo Rom/Hallo Karthago: >Keiner liegt allein<
 
Marie Schmidt
Mein Halbes Jahr: >Literatur<
Shakespeare – Malabou – Thoreau
 
Christoph Raiser
Mein halbes Jahr: >Musik<
Le Tigre – Codeine – Deichkind
 
Matthias Dell
Mein halbes Jahr: >Film<
Die Tribute von Panem – The Hunger Games – Wir kaufen einen Zoo
 
Anna-Catharina Gebbers
Die Revolution sind wir
Von ein paar Kunstwerken, die Aufstände auslösten



GEPROBT

 
Diedrich Diederichsen
Der Imperativ des Authentischen
»Erfinde Dich halt- und bodenlos neu und verkörpere das so, als wäre das immer schon Deine Natur gewesen!«
 
Nicklas Baschek
Lieber peinlich als authentisch
Occupy und der gemeine Hipster
 
Nikolaus Müller-Schöll
Der geprobte Aufstand
Farce, Spaziergang, Hunger-Show
 
Martin Saar
Bildpolitik: >Ein Nein aus fünf Fingern<



SCHÖNHEITEN

 
Kristin Amme/Silvan Pollozek
Hörbare Revolution
Jeder darf mitspielen: Das Kunstprojekt #tweetscapes
 
Christoph Raiser
Der Protest der Mathematiker
Gegen eine öffentliche Praxis des privaten Profits: Das Manifest The Cost of Knowledge
 
Luisa Banki
Immer weiter
Operationen am offenen Leben: Philipp Schönthalers Erzählband Nach oben ist das Leben offen
 
Thomas Biebricher
Müdes Blinzeln
Eine scharfsinnige Diagnose vom Mittelmaß: José Ortega y Gassets Der Aufstand der Massen
 
Anna-Catharina Gebbers
Nicht eins sein
Zwei Generationen Protest: Alex Martinis Roe untersucht Genealogien
 
Franziska Humphreys
Wählt Nein
Referendum 1988: Pablo Larraíns No
 
Daniel Mützel
Occupy ist nicht
Die Kunst, mehrere Dinge auf einmal zu sehen: Das Occupy Biennale Projekt
 
Anna Sailer
Unter einem Banner?
Gegen die Geschlossenheit des Wir: Slatan Dudows Kuhle Wampe
 
Arnd Pollmann
Bloß keinen Aufstand
In der Arena der Unmündigkeit: Kant meets Kubrick
 
Julia Roth
Ausblendung
Dekolonisierung und die Dialektik: Susan Buck-Morss Hegel und Haiti


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