Das Online-Magazin zur Zeitschrift | HALBJAHRESMAGAZIN polar






polar #13: Aufstand




EDITORIAL

 
Editorial
Peter Siller, Bertram Keller



AUSGEBLIEBEN

 
Sebastian Dörfler
An die Arbeit
Warum sich Bartleby selbst abschaffen müsste
 
Micha Brumlik
Aufstand nach Nirgendwo
Vom Missverständnis des Politischen
 
Thomas Biebricher/Marina Martinez Mateo
Die Paradoxie des Intellektuellen
Wissenschaft und öffentliche Intervention
 
Interview Jodi Dean
»Endlich wieder ›wir‹ sagen«
 
Julian Bank
Goliath stolpert, David schläft
Aufstand, soziale Bewegungen und Zeitlichkeit
 
Petra Hauffe/Judith Karcher
Der ausbleibende Aufstand
Von der selbstverschuldeten Unmündigkeit in der Finanzkrise
 
Tobias Peter
Nutzlos, sich zu erheben?
Über parasitären Widerstand
 
Arnd Pollmann/Thomas Biebricher/Stefan Huster/Peter Siller
Ist es links? >Negation<
 
Ina Kerner
Leben im Kapitalismus: >Terror, Chillen, Herrenschneider<



AUSGELÖST

 

Tasos Telloglou

Die Gerechtigkeitslücke

Revolte gegen das Ende eines geliehenen Lebens


Die Krise in Griechenland scheint überwunden zu sein. Eine neue Drei-Parteien Regierung steht, aber der Schein der Stabilität trügt. Es handelt sich lediglich um eine Feuerpause zwischen Opposition und Regierung. Das Land taumelt am Rande des Kollapses. Griechenland »lebt« mit Hilfe der künstlichen Beatmung seitens der EZB, dem IWF und der EU.

Wichtiger scheint jedoch die Tatsache, dass in den letzten zweieinhalb Jahren keine neuen Instrumente zum Messen einer Politik des »Aufräumens« der öffentlichen Finanzen entstanden sind. Ob im Gesundheitswesen, in der Sozialpolitik oder dem Bildungswesen: Reformen, die die Ausgaben messbar machen würden, bleiben aus. Zum Beispiel eine Digitalisierung der Rezeptverschreibung durch Ärzte, wo Griechenland mehr Pro-Kopf-Ausgaben für Medikamente aufweist als jedes andere europäische Land. Von 850 Millionen Euro im Jahr 1999 stiegen die Medikamentenausgaben auf 8,5 Milliarden Euro im Jahr 2009. Das ist zweieinhalb Mal mehr als in Schweden, Portugal oder Belgien, also Ländern mit derselben Bevölkerungszahl.

Da diese Instrumente des »Messens« der Ausgaben nicht verwirklicht worden sind, neben der Digitalisierung der Verschreibung steht noch die volle Digitalisierung der Finanzämter und die Aufstellung des Landeskatasters aus, scheint der Weg zu einer wichtigen Kürzung der Ausgaben auf der Grundlage von realen Bedürfnissen versperrt. Stattdessen greifen Regierungen jeglichen Couleurs immer wieder zu horizontalen Kürzungen im Heer der Beamten.

Menschenlagerräume
So nennen die Griechen die Amtsstuben (Ministerien, Behörden usw.) die Anfang des Jahres 2011 750.000 Mitarbeiter ausmachten. Mit den Betrieben, die vom Staat direkt oder indirekt kontrolliert werden, reichte die Zahl über 1 Million Beamte. Zum Vergleich: die griechische Polizei beschäftigt heute 55.000 Beamte, die schwedische nur 8.000. Eine ähnliche Situation gibt es in den staatlichen Schulen, wo die meisten Lehrer in ganz Europa angestellt sind. Allerdings arbeiten über 10 Prozent von ihnen in Büros (von Abgeordneten, Parteien und Administration), die meistens nichts mit Bildung zu tun haben. Die einzige Ausnahme des Haufens von unzähligen Beamten bildet das Gesundheitswesen, wo Krankenschwestern eine Rarität darstellen, verglichen mit Gärtnern, Klempnern und Technikern. [...]


 
Stephan Rosiny
Eiszeit der Diktaturen
Der Aufstand im »Arabischen Frühling«
 
Hany Darwish
Der Verrat
Ägypten nach der Revolution: Ein Bericht aus Kairo
 
Naji al-Baghuri
Am Rande des Abgrunds
Der Wandel Tunesiens: Ein Bericht aus Tunis
 
Michael Lidauer
Revolution von oben?
Myanmar auf Reformkurs
 
Felix Lutz
Zwischen Tea Party und Occupy
Der aufbruchslose Aufstand in den USA
 
Eddie Hartmann
Moralische Auszeit und soziale Revolte
Die gewaltsamen Aufstände in Frankreich und Großbritannien
 
Maja Bächler
Take the Power Back
Aufstände als Kommunikation
 
Kai van Eikels
Der angekommene Aufstand
Etwas zur politischen Bewegung, etwas zur Theorie
 
Markus Dressel
»Lasst uns auch lernen zu regieren«
Der 4. November ’89 und die List der Geschichte
 
Susann Neuenfeldt/Simon Strick
Hallo Rom/Hallo Karthago: >Keiner liegt allein<
 
Marie Schmidt
Mein Halbes Jahr: >Literatur<
Shakespeare – Malabou – Thoreau
 
Christoph Raiser
Mein halbes Jahr: >Musik<
Le Tigre – Codeine – Deichkind
 
Matthias Dell
Mein halbes Jahr: >Film<
Die Tribute von Panem – The Hunger Games – Wir kaufen einen Zoo
 
Anna-Catharina Gebbers
Die Revolution sind wir
Von ein paar Kunstwerken, die Aufstände auslösten



GEPROBT

 
Diedrich Diederichsen
Der Imperativ des Authentischen
»Erfinde Dich halt- und bodenlos neu und verkörpere das so, als wäre das immer schon Deine Natur gewesen!«
 
Nicklas Baschek
Lieber peinlich als authentisch
Occupy und der gemeine Hipster
 
Nikolaus Müller-Schöll
Der geprobte Aufstand
Farce, Spaziergang, Hunger-Show
 
Martin Saar
Bildpolitik: >Ein Nein aus fünf Fingern<



SCHÖNHEITEN

 
Kristin Amme/Silvan Pollozek
Hörbare Revolution
Jeder darf mitspielen: Das Kunstprojekt #tweetscapes
 
Christoph Raiser
Der Protest der Mathematiker
Gegen eine öffentliche Praxis des privaten Profits: Das Manifest The Cost of Knowledge
 
Luisa Banki
Immer weiter
Operationen am offenen Leben: Philipp Schönthalers Erzählband Nach oben ist das Leben offen
 
Thomas Biebricher
Müdes Blinzeln
Eine scharfsinnige Diagnose vom Mittelmaß: José Ortega y Gassets Der Aufstand der Massen
 
Anna-Catharina Gebbers
Nicht eins sein
Zwei Generationen Protest: Alex Martinis Roe untersucht Genealogien
 
Franziska Humphreys
Wählt Nein
Referendum 1988: Pablo Larraíns No
 
Daniel Mützel
Occupy ist nicht
Die Kunst, mehrere Dinge auf einmal zu sehen: Das Occupy Biennale Projekt
 
Anna Sailer
Unter einem Banner?
Gegen die Geschlossenheit des Wir: Slatan Dudows Kuhle Wampe
 
Arnd Pollmann
Bloß keinen Aufstand
In der Arena der Unmündigkeit: Kant meets Kubrick
 
Julia Roth
Ausblendung
Dekolonisierung und die Dialektik: Susan Buck-Morss Hegel und Haiti


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